Befindlichkeiten, Fühlen

Wo bist du zuhause ?

Wo ist man zuhause ?

Ist es dort, wo das eigene Bett steht und der Kühlschrank voller Köstlichkeiten ist, die man selber eingekauft hat ? Dort wo die Wölfin sich schwanzwedelnd freut, wenn man heimkommt ? Dort, wo die Tomaten noch grün an den Blättern hängen und im Bad die Wimperntusche darauf wartet, dass man sie morgens benutzt ? Ist es da, wo man sich morgens noch ein letztes Mal an den Lieblingsmann kuschelt, (Nur noch einen winzigen Moment lang. Die Nase an seinen Rücken reiben. Seinen Duft mitnehmen in den Tag und das Bild, wie er, auch bei grosser Hitze, immer die Decke bis zur Nasenspitze hochzieht. ) bevor man ins Auto steigt und in die Stadt fährt zur Arbeit.

Dinge ändern sich. Das ist der Lauf der Dinge. Ich glaube, man kann sich überall zuhause fühlen, wenn man bereit ist, sich auf Veränderungen einzulassen.
Wir haben beschlossen, Villa Lila zu verlassen und in Villa Kunterbunt einzuziehen.
Stagnation ist Stillstand . Ich stand zu lange still und starrte blind an den Horizont. Jetzt fange ich wieder an, mit dem Finger Zeichnungen aus Buchstaben in den Himmel zu zeichnen. Meine Art der Kreativität und meistens werden Träume wahr.

Man ist dort zuhause, wo das Herz vor Glück wummert.

Heute war das auf einer kleinen Insel, deren Linden am blühen waren und so süss rochen, dass ich nur noch einatmete und mir schwindlig wurde dabei. Es erinnerte mich an einen Mann, der immer viele Pfefferminzdrops an uns Kinder verteilte. Er trug sie in Rollen in seinen schäbigen Taschen. Sie waren schäbig, weil er vermutlich nur diese einen Hosen hatte, die er gerade trug. Er hatte immer Zeit und eben diese Pfefferminzbonbons, die er wohl zu Dutzenden ass. Wir Kinder hatten gelernt, dass wir nichts von Fremden annehmen durften, also fragte er uns umsonst. Immer wieder. Wir rannten weg. Er blieb immer stehen, sah uns nach und lief irgendwann (ich konnte es sehen wenn ich mich umdrehte) einfach in eine andere Richtung.
Als ich Jahre später hörte, dass er gestorben war, (sie fanden ihn in einem Stall. Er schien zu schlafen) fragte ich mich, ob der Himmel über dem Dorf nach Pfefferminz riecht, als er beerdigt wurde. Und ob Minze auf seinem Grab wächst.

Als ich neben der Linde stand, auf der Insel, und diesen betörenden Duft tief in meine Lungen sog, versuchte ich die Luft so lange in mir zu behalten….Bis sie aus den Poren strömt oder sich so in mir ausbreitet, dass ich für immer danach rieche.

Man ist dort zuhause, wo das Glück sich multipliziert und man einfach atemlos ist. Also kann das auch auf einer Insel sein.

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6 Gedanken zu “Wo bist du zuhause ?

  1. Sollte die Pfefferminzinsel hier im Norden sein?

    Sollte Glas tatsächlich ihr Glücksgefühl steigern liebe Madame … in meinem Studio gibt es viel Glas und direkt vor meiner Haustür befindet sich das Minzparadies … marokkanische Pfefferminze, After-Eight-Pfefferminze und Schokominze …. sie sind immer willkommen ♥.

  2. Ulla schreibt:

    … vor einiger Zeit schrieb ich einmal in einem Blog zu einer ähnlichen Frage, dass ich bisher immer der festen Überzeugung war, mein Zuhause wäre der Ort meiner Geburt …dort wo ich wohne…wo meine Familie lebte.

    Seitdem die Verwurzelungen sich mit den Jahren immer mehr auflösen, ist Heimat für mich mehr ein Gefühl der Vertrautheit, der Sehnsucht vielleicht….ist es Geschmack, Geräusch und Geruch und nicht mehr an die alte Umgebung gebunden.
    Nicht mehr der Ort – mehr ein Gefühl, ein Herzzittern… vielleicht.

    Liebe Mme Lila, ich lese es mit einem Lächeln, dass du wieder Buchstaben in den Himmel schreibst und erinnere mich sehr genau an ein Himmels-ABC, das mich damals – vor einigen Jahren in deinem vorherigen Blog – fasziniert und berührt hat … die Gestalterin füllte ihre „Zwischenräume“, wie sie es beschrieb, mit Himmelsbildern aus … ein schöner Gedanke.
    Ich hatte es auf meinem PC abgespeichert und habe es heute einem lieben Menschen geschickt…. Ich hoffe, sie freut sich.

    Dir einen lieben Gruß

    Ulla

  3. Sofasophia schreibt:

    ein wunderbarer text.
    er erzählt vom mut, aufzubrechen und weiterzugehen. das glück ist nicht an orte gebunden. möge es dir immer treu sein und du uns. … mit immer neuen, in den himmel (und in die tasten) gezeichneten buchstaben und bildern …
    go on! 😉
    lg, d.

  4. Nach langer Abstinenz wieder online finde ich diesen Text, der mich sehr berührt, gerade weil ich in letzter Zeit soviel über Heimat nachgedacht habe und beschlossen, meinem Glück und dem neu verwurzeln hier eine Chance zu geben.
    Nicht länger dem vertrauten Flachland nachzuweinen, sondern den sanften grünen Hügeln hier eine Chance zu geben…nicht so einfach, aber machbar und jetzt auf der Suche nach Möglichkeiten um hier Anschluß zu finden….
    Liebe grüße in die Schweiz! morgiane

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