Befindlichkeiten, Fühlen

Am Ende des Horizont

Und plötzlich verliert man den Radiosender, ein Rauschen, eine Weile nichts, dann diese Sprache. Nur noch diese eine Sprache, wenn man über die Grenze fährt. Es verursacht ein warmes Bauchgefühl. So ähnlich fühlt es sich an, wenn man verliebt ist.

Und das Leben erzählt einem Geschichten von früher, als man selber nur diese eine Sprache beherrschte. Bis man in den Kindergarten ging. Dort sprachen die Kinder anders als ich. Man lernt schnell, als Kind, alles mögliche. Auch das Reden fällt einem dann in zwei Sprachen leicht.

Dort, wo ich die vergangenen Tage aus meinem hektischen Hamsterrad fiel (in eine gefühlte Langsamkeit und Entschleunigung), fühle ich mich zuhause. Dort auch, ja. Genauso wie hier. Da wo die Strassen viel breiter sind, weniger Verkehr herrscht und die Weite so grenzelos scheint, dass ich meine Gedanken fliegen lassen konnte. Ohne dass sie als Echo an den Alpen apprallen und schmerzhaft dumpf zurück in meinen Kopf knallen.

Die Gespräche anderer Leute belauscht man nicht. Dennoch tue ich es. Dort. Wenn die Männer vor ihrem Pernod sitzen oder ihrem vins rouge und plaudern. Ich höre zu, auch im Supermarkt wenn die Frauen zwischen den Tomaten und den Yoghurts ihre kleinen Geheimnisse teilen. Ich fühle mich unsichtbar.Immer bereit, aus den kleinen Intimitäten meine eigenen Geschichten zu weben. Manchmal werde ich angesprochen. Sie kommen nicht auf den Gedanken wenn wir zusammen reden, dass ich nicht aus der Gegend dort bin. Ich sage nichts dazu, Ich geniesse es, woanders auch ‚angekommen‘ zu sein.

Ich erfreue mich an dem Anblick vergangener Epochen, den Schlössern, Abteien und pitoresken Dörfern. Ernähre mich fast nur von Baguette, Fromages und Pâté. (Letzteres in der kritischen Vorsicht, dass ich keine Säugetiere esse und/oder das Tier zu Tode gequält wurde.)

Und immer wieder die Erinnerungen. Auch an diesen Song. Ich hörte ihn oft als ich dort unterwegs war, mit nur einer kleinen Tasche, kaum Geld und einem Schlafsack. Ohne Rückkehr, dachte ich damals. Und mich von fremden Autos mitnehmen liess. Es gibt keine Autostopper mehr.

Dann fährt man zurück, über die Grenze. Der Sender ist weg. Die Berge wieder da. Und alles scheint eng und furchtbar klein.

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2 Gedanken zu “Am Ende des Horizont

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