Befindlichkeiten, Leben

Mofaträume

Natürlich hatte ich auch so ein Mofa.

Ich habe dafür 3 Wochen Gläser gewaschen und sie in Kartons gepackt in der Fabrik nebenan. . 5.- für eine Stunde gabs dafür.
Ich war 14 und immer ein bisschen verliebt. (Es gibt Dinge, die ändern sich. Andere bleiben sich gleich: Ich habe kein Mofa mehr) .
Und ich rauchte meine ersten Zigaretten. Die gab es damals die am Kiosk, ohne dass man dafür den Ausweis zücken musste.
Zu der Zeit lief easy rider im Kino. (Ich hatte den Film nicht gesehen, die Story wurde mir von älteren Mitschülern erzählt. Jenen, die nach der Schule selbstgedrehte
Zigaretten rauchten, die süsser rochen als meine eigenen.Als ich das später das erste Mal probierte, wurde mir so schlecht davon, dass ich mich in einen Abfalleimer auf
dem Schulhausplatz erbrach. Irgendwo spielte dieser Song. Wenn ich ihn heute höre, dreht sich mir noch immer der Magen um.)
Mein Mofa hatte keine abgeänderten Antriebsritzel, keine Kolbenfenster und ich tankte kein Flugbenzin, wie mir damals geraten wurde.
Trotzdem fuhr es mich an all die Orte, an denen ich alleine sein wollte. Zugeben, dass ich lieber mit einem Junge Mofa gefahren wäre, war eine Tatsache, die ich verschwieg.
Ich war damals unsichtbar. Zumindest für die Jungs, die mich interessierten.
Iron Maiden gab es damals, allerdings nur auf Schallplatte. Der tragbare CD Spieler war noch nicht erfunden. Das Handy übrigens auch nicht. Dafür trug ich eine wilde Dauerwelle und immer meinen
Schreibblock mit mir herum. Um meine Gedanken aufzuschreiben. Pubertäre Liebesgedichte oder Storys mit einem happy end.
 

Im Dorf gab es eine Tankstelle, an der man für einen Franken Zweitaktbenzin tanken konnte. Für vier Franken war der Tank voll und zwei Wochen Fahrt waren gewährleistet.
Und 20 Zigaretten reichten mindestens acht Wochen lang.

Die Welt verändern wollte ich. Einmal auf einer grossen Bühne stehen, als Sängerin einer Band. (Ein Instrument dazu zu lernen, entsprach nicht meinem bequemen, aber fantasievollen
Charakter) . Schauspielerin wollte ich werden und Hollywood erobern. Oder, als meine Träume reiften und mein soziales Bewusstsein erwachten, nach Afrika fliegen um arme Menschen zu retten.
Oder, der konstanteste Traum, als Journalistin die Menschheit auf die Missstände aufmerksam machen. Oh ja.

 

Mein Mofa war blau.Es war nicht frisiert, hatte keine verlängerte Gabel und extras konnte ich mir nicht leisten.
Trotzdem hätte ich es für kein Geld der Welt gegen ein anderes getauscht.

Vielleicht sollte ich mal wieder Mofa fahren, eklige Mentholzigaretten rauchen und endlich meine Träume verwirklichen.

 

 

Standard

13 Gedanken zu “Mofaträume

  1. Ulla schreibt:

    … ach ja, da steigen Erinnerungen hoch…..

    Wie schön, dass du nie deinen Schreibblock zur Seite gelegt hast.

    Sängerin wollte ich auch werden …. bis in eine Schülerband hab ich es sogar geschafft …. mein Fahrrad war blau – viel später war mein VW-Käfer blau …. der geliebte ostereierblaue Kugelporsche –
    blau, die Farbe der Träumer –
    in Hollywood hätten wir uns sicher getroffen ….

    Danke, für das Sonntagslächeln.

    Grüße schickt

    Ulla

    • 🙂
      Inzwischen ist Hollywood doof, nicht wahr ?
      Und wer will schon Sängerin werden ? Phhh.

      Kugelporsche ? Was für ein witziges Wort !
      Das Wort stecke ich mir in die Tasche, wer weiss wann ich es brauchen kann 😉

  2. uuuuh….weisst du, mein grosser macht gerade die töffli prüfung und wir haben grad gestern darüber geredet, was, wieviel und ob er etwas daran zahlen muss.
    ich hatte für mein ciao 4 wochen in der monopol (farbfabrik)gearbeitet und alles selber bezahlen müssen, fuhr dann damit x-mal in der woche über den bözberg zu meinem schatz.
    🙂
    ne herrliche zeit…find i.

    • Die Töfflizeit von damals war wirklich eine verrückte.
      Ich glaube, heute müssen die meisten Kids sich nicht mehr so abrackern wie wir, damit sie ihr Töffli bekommen.

      Vielleicht war es gut so, dass wir so hart dafür gearbeitet haben.
      (Gruss an deinen Ältesten und frag ihn…Nein, frag lieber nicht, ob ich dann mal mit seinem Mofa fahren darf ) 😉

  3. Sofasophia schreibt:

    auch mein maxi war blau und auch meins hatte keine verlängerte gabel und auch ich hatte es mir selbstverdient plus ein bei einem wettbewerb gewonnenes velo dazu in zahlung gegeben.
    hach, wie sehr deine zeilen sich mit meinen eigenen erinnerungen decken (ausser dem k… in den abfalleimer). musste ich zum glück nie.
    schwelg …
    ob die jungen von heute in dreissig jahren wohl auch solche erinnerungsschätze haben?
    danke für die kleine zeitreise!
    liebgrüss, d.

    • Die halbe Flasche Rotwein war schuld gestern, dass ich plötzlich wieder Lust hatte, virtuell Mofa zu fahren.

      Du hattest auch ein Puch maxi ?
      Töfflibuebe hatte es genug. Wir hätten die Mädchengang dazu gründen sollen 🙂

  4. Moooooomänt, der Walkman war schon erfunden! Soooo alt ist Madame nun auch wieder nicht. Nein, ich will gar nicht wissen, was da auf den Kassetten drauf war. (Nena, Trio, Hubert Kah, F.R.David und so – ich weiss doch bescheid …)

    • Doch. Ich bin so alt. Oder: Auf dem Land, da wo Lila aufwuchs, gab es noch keine Walkmän. Den ersten erarbeitete ich mir mit 17.

      Nein. Mösiö weiss nicht Bescheid :-). Ich war doch das Rockmädchen.

      Phhh. Ich kenne nicht mal ’99 Luftballone‘ mit denen ich ‚ich will spass‘ habe, schon gar nicht mit ‚rosmarie‘,
      dadada ! sage ich da nur in Ihre Richtung Mösiö.

      • Meine Richtung? Ich will nur kurz einflechten, über meine Richtung haben wir noch fast gar nie gesprochen, Rockmädchen. (Was für’ne Rosmarie? Ich kenne jede Menge Silken und Claudias, aber keine Rosmarienen.)

        • aha soso naja

          mal was jaaanz anderes
          wann jetzt gehn wir denn nun mal gemeinsam auf Wanderschaft

          wissens Herr T.M. (was ich all kramen muss bis ich die Punkte find :-))
          Madame hatte da mal so eine Idee aber jetzt liegt doch fast schon überall Schnee

          da werden wir uns wohl zum novemberlichen Adventspunsch treffen müssen

          und bring se dann mal bitte gleich den Herrn Ü. mit

          jawoll so machen wa des

          • Wanderschaft? Nicht vor nächstem Jahr. Mai oder so. Wir könnten uns oben auf Engstlenalp treffen, wo man sich von drei, vier Richtungen aus gleichzeitig konspirativ nähern könnte, jeder von da, wo er grad herkommt. Goethe war auch da und das heisst ja schon fast alles.

            Den Herrn ü. kenn ich ja selber noch gar nicht. (Is der jetz ne OP-Schwester oder nicht? Wissen Sie was?)

            • bis im Mai warten huij na nee wo denken Sie hin mein Lieber
              Advent November Weihnachten Dezember Neujahr Januar is mir egal
              aber ik wart nich bis im Mai

              wobei
              „von drei, vier Richtungen aus gleichzeitig konspirativ nähern könnte, jeder von da, wo er grad herkommt“
              aber mein Lieber geht dat nich von überall herr

              nun zum Üchen
              na dann wird dat aber Zeit das Sie zwei beiden sich mal und so
              also ik gloobe es war einmal eine solche Schwester jetzt lehrt er eben solche Schwestern ik globbe
              wir könnten ja über den Herrn Ü. wie wild fantastereien bis es Ihm zu bunt wird und er aus seinem Versteck hervorgelockt ist

              ach Mme Lila wat iset wieder jemütlich hier bei dir vor heisser Schockolade sitzend in der warmen Stube

              • Ruheee.
                Ich verstehe ja mein eigenes Wort nicht mehr, Madame Günzel, ausserdem verstehe ich mal wieder nicht, worum es geht…
                (Wo muss ich unterschreiben und WAS gewinne ich dabei ?)

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