Befindlichkeiten, Fühlen

Schwere–los

Während ich in diesem künstlichen toten Meer liege, kann ich die Spiegelung des Wassers an der Decke sehen. Rote Lichter und die wellenbewegung des Wassers.
Ich bin schwerelos. Ich fliege.

Den Kopf leicht unter Wasser kann ich Musik hören. Irgendwas esoterisches, klimper, das ich im Grunde nicht mag. Es klingt meistens falsch und künstlich in meinen Ohren.
Jetzt passt es.
Fühlt es sich so an, wenn man schwerelos im Universum herum treiben würde ?
Ich kann Gesichter in den Projektionen an der Decke erkennen, solche die noch leben und jene, die gestorben sind. Vielleicht fühlt es sich so an, genauso, bevor man diese irdische
Welt betritt: Man ist ein Cocon, der schwerelos in einer Welt aus einem bunten Lichtspektrum sanft herumwirbelt ?
Der Gedanke gefällt mir. Nur der Sountrack müsste rockiger sein.
Diese Woche ist nicht nur eine der gefühlten Schwerelosigkeit, sondern jene der geteilten Erinnerungen an verschwundene Menschen.
Zuerst E. , an die ich mich wieder erinnerte und dann la canela, die mir ihr Erlebnis erzählte, wie sie die Asche ihres Vater von einer Klippe warf.
Gestern dann meine Tante, die mich nach den Todesdaten der Grosseltern fragte. 

Früher hätten mir diese Gedanken Angst gemacht. Ich hätte mich geschüttelt wie ein nasser Hund und wäre dann gedankenfrei zur Kaffeemaschine gegangen.

 

Sogyal Rinpoche sagte mal, dass das Leben erst dann wirklich frei gelebt werden kann, wenn die Angst vor dem Tod nicht mehr vorhanden ist.
Ich liege wieder in dem warmen Wasser. Zeit- und Raumlos für die Dauer einer halben Stunde.
Schaue mir das Rot an, dass die Betondecke überzieht wie einen kitschigen Sonnenuntergang. Lasse die Gedanken weiter treiben und bin froh, dass mich sein Fuss plötzlich an meinem
Bauch kitzelt. Er treibt genauso herum in dem Wasser wie ich, die Kontrolle über die Lage längst abgegeben. Manchmal kleben wir aneinander, wie kleine Larven, oder verlieren uns,

um uns wieder zu finden. Ohne dass wir einander gesucht haben.Ich habe mich entschieden: Der Beginn und das Ende des Lebens ist eine schöne Geborgenheit, schwebend.
Nur über den Sountrack dazu möchte ich Beschwerde einlegen: Momentan weiss ich nur nicht, wo die Beschwerdestelle ist, die das entgegennimmt

 

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2 Gedanken zu “Schwere–los

  1. Dein Artikel gefällt mir sehr. Lebensnah und originell empfand ich Deine Beschreibungen. Frisch und lebhaft. Lass uns mal blogrollen. 🙂
    Die Musik ist meistens wirklich so, wie Du beschreibst. Auch gar nicht mein Ding.
    Lieben Gruß, Jonathan

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