Befindlichkeiten, Fühlen

Schlaflos

Vor mindestens 20 Jahren langer Zeit, schlief ich im Februar wenig. Im März ebenso. Eigentlich schlief ich damals bis in den beginnenden Sommer hinein kaum.
Es war nicht so, dass es meine Absicht war, wenig zu schlafen. Im Gegenteil: Ich wurde, sozusagen, daran gehindert wirklich gut zu schlafen. Obwohl ich es wirklich gerne getan hätte: Besonders, als ich anfing währends des Unterrichts ein zu schlafen. Mit dem Kopf auf den Armen. (Vermutlich schlafsabbernd. Ganz bestimmt. ) Und meine Augenringe den Verdacht aufkommen liessen, dass ich zuhause Probleme habe oder Drogen nehme.

Drogen ? Mit Sicherheit ging diese Vermutung darauf zurück, dass wir in der Klasse ‚Wir Kinder vom Bahnhof Zoo‘
lasen. Unser Lehrer war ein Hippie, der seinen Schülern etwas fürs Leben mitgeben wollte. Als Dank dafür flickten wir Mädchen die Löcher im Alpakapullover, echt Natur, des Lehrers.

A. war schuld, dass ich kaum mehr schlafen konnte. A. mit den blonden Locken, der immer so gut roch und mich genauso schön fand, wie ich ihn. (Wäre ich damals nicht vor Liebe blind gewesen, wäre mir aufgefallen, dass er ganz viele andere Mädchen der Schule schön fand. Bis auf jene mit den Zahnspangen und den wirklich ganz dicken, oder dürren, Mädchen eigentlich alle. )
A. und mich verband also etwas, was ziemlich einseitig war und sich auf Küssen und Fummeleien spätabends vor unserer Haustüre beschränkte. Bis….Naja…Bis er mir sagte, dass wir uns doch gemeinsam die Nacht um die Ohren schlagen könnten.

Das hörte sich verrucht an, nach etwas, was meine Eltern bestimmt nicht erlaubt  hätten. Ich war dabei, ganz klar. So gesehen brauchte ich keine Argumente mehr: Die ganze Nacht zusammen mit A. verbringen, wäre süsser als alle Schokolade und als alle Küsse dieser Welt.

Wir brauchten ein Zeichen. Irgendwas, womit ich in meinem Zimmer wusste, dass er zuhause rausschleichen konnte und ich meinerseits ebenso das Weite suchen könnte. Da wir nicht die ganze Nachbarschaft mit seinem Pfeifsignal wecken wollten, beschlossen wir, dass er Kieselsteine an mein Fenster werfen würde.

Das erste, nächtliche Abenteuer liess nicht lange auf sich warten. Wir blieben die ganze Nacht zusammen,weil es so kalt war, wärmten wir einander. Logisch. Gegen Morgen gingen wir zurück in unsere Betten: Ich mit seinem gestrickten Norwegerpulli, der mich wärmte.  Niemand bemerkte unsere Abwesenheit.
An diesem Morgen wurde das Klassenfoto gemacht. Die Blonde, mit den langen Haaren und dem schönen Pullover bin ich. (Natürlich trug ich fortan nur noch diesen Pullover, den ich erst in die Wäsche gab, wenn er so modrig roch, dass niemand mehr in der Schule neben mir sitzen wollte.)

Von dieser Nacht an schlief ich schlecht. Bisweilen gar nicht.
Weil ich Angst hatte, dass ich den Aufprall der spitzen Steine verpassen würde, die A. an mein Fenster warf.
Ich schlief bis im Juni hinein schlecht, so lange dauerte es, bis ich wirklich realisierte, dass A. keine Steine mehr an mein Fenster werfen würde. (Anfangs glaubte ich noch, dass ich sie einfach nicht gehört habe und machte mir Vorwürfe deswegen)
Er warf sie  längst an die Fenster von Veronica.
Im Herbst dann an jene von Barbara.
Und von da an interessierte es mich nicht mehr :
Weil jetzt H. Steine an mein Fenster warf.

–Pic bei ihm geklaut–

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