Befindlichkeiten, Fühlen

Die Katze und ich

Die Katze ist eine Schwarze mit weissen Tupfen im Fell. Ein bisschen  wie dunkler Kaffee mit weissen Sahnewolken obenauf.
Wenn man die Möglichkeit hat, die Katze  ist nicht nur wählerisch, sondern auch launisch, sollte man sie unbedingt streicheln. Es fühlt sich an wie frisch gewaschen, duftig, mit dem Feinwaschmittel, für das  Werbung gemacht wird. Mein Gesicht möchte ich jeweils in diese kuschlige Wärme drücken, mit der Nase voran.

Dass ich es nicht tue, hat nichts mit edler Zurückhaltung zu tun,  sondern damit, dass ich dort auf dem stillen Hügel der Stadt Patientenbesuche mache. Meine Zeit ist deshalb bemessen.

Die Katze kennt mich inzwischen. Unser Ritual ist immer das Gleiche: Ich sehe sie. Bleibe stehen und gehe langsam, Koseworte murmelnd, auf sie zu. Sie ignoriert mich vorerst, dann zeigt sie ihre Verzückung über meinen Anblick, indem sie stehen bleibt und ihren Schwanz pfeilgerade schnurrend in die Höhe streckt.
Anschliessend kommt das Lenorfeeling: Ich streichle, sie geniesst es.

Gestern wurde an meinem Katzenweltbild arg geschüttelt.
Der Besuch bei einer alten Dame war schuld daran. Die Katze, von der ich erzählte um die Atmosphäre  im Patientenzimmer zu lockern, sei ihre. Sie sei ihr vor Jahren zugelaufen und seither
kümmere sie sich um das schöne Tier. Liebe sei es, ganz bestimmt, auf beiden Seiten. Versicherte sie mir strahlend. Ich glaubte ihr und fuhr ein paar Strassen weiter zu einer anderen Patientin.

Diese sass in der Küche, als ich kam, und kratzte den letzten Rest Katzenfutter aus einer Büchse. Der teuren, die mit den Sternen drauf und dem Namen, der mit Connaisseur beginnt.
Kaviar ist teurer, dachte ich, und fragte nach der Katze, für die sich sich die Mühe machte. Bisher hatte ich  noch keine bei ihr gesehen. Während sie das Futter auf dem Tisch rührend mit einer Gabel zu Brei verdrückte (Hat die Katze  keine Zähne mehr ? ) , erzählte sie mir von ….Ebendieser schwarzen Katze, die ihr vor Jahren zugelaufen sei. Die Liebe zwischen beiden sei eine innige und verbundenen und….

…das war der Moment, an dem ich mich nicht mehr halten konnte und loslachte.
Katze gehört niemandem. Sie geht einfach dorthin, wo es ihr im Augenblick gefällt.

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4 Gedanken zu “Die Katze und ich

  1. Ich hab überall meine Katzen. Die kennen mich. Früh, auf dem Weg zur Arbeit, halte ich mit jeder ein Schwätzchen. Und wehe, ich bleibe nicht stehen. Die eine ruft mir sogar laut hinterher – unter mindestens einer Minute komme ich an der nicht vorbei. Und wenn sie früh nicht da ist, wird es kein guter Tag. Nachmittags dasselbe nochmal. So erfahre ich alles Wissenswerte, über Fuchs, Dachs und Biber und so.

    P.S.: Es heisst immer, Katzen seien launisch. Ich würde das nie sagen. Eine Katze geht sicher nicht zu jedem und vielleicht auch nicht immer. Aber das sind keine Launen. Sie hat halt manchmal anderes vor.

    • Wissen Sie, vereehrter, Ihre Meinung ist mir schon seit langem wichtig. Eine, die ich ernst nehme.
      Und wenn es um die Stubentiger geht, sind Sie mir gar eine
      Kompetenz, auch die ich höre :
      Wenn es keine KatzenLaunen sind, Monsieur, dann verhält sich eine Katze eben wie eine Diva.
      (Wobei. Wie ist das mit den Katern ? Können die auch Diva sein ?)

      Danke für Ihre (schnussige) Erzählung Ihres Arbeitsweges.
      Ich sollte öfters zu Fuss gehen. Während der Autofahrt trifft man so wenige Katzen.

  2. Sofasophia schreibt:

    von ihnen, den katzen, könnten wir ganz viel lernen. im nächsten leben hätte ich gar nichts dagegen, eine von ihnen zu sein. bestimmt ein fortschritt 🙂

    • ++Hunde kommen, wenn man sie ruft. Katzen nehmen deine Nachricht zur Kenntnis und kommen eventuell später darauf zurück.++

      Habe ich irgendwo gelesen.
      Das kommt der Wahrheit um dem Wesen der Katze nahe: Sie sind so eigenständig. Geben uns Menschen aber immer wieder das Gefühl (Nicht, niemals, die Gewissheit) , dass sie uns mögen und gerne mit uns zusammen sind.

      😉

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