Fühlen

Ich dich auch

Location: Eine Konzerthalle
Gig: Sonata Arctica ua.
Ort: Irgendwo im Norden
Wer: Ich und viele andere
Wann: Gestern Abend

Sie steht links von mir und riecht nach Kokosnuss. Ihre Haare sind in einem leuchtenden Rot: Manchmal fällt ihr eine Haarsträhne ins Gesicht, die sie mit einer kleinen (klitzekleinen) Haarklammer
fixiert. Sie trägt Turnschuhe und ein begeistertes Lächeln im Gesicht. Ihre Augen haben die meergrüne Farbe, die mich an die Muscheln erinnert, die ich in der Bretagne aus dem Meer zog: Die Algen überzogen sie mit einem seidig grünen Cocoon. Innen drinn aber leuchtete stets das helle Perlmutt.
Bei ihr sind es silberne Inseln, die um die Pupille herum schwimmen. Ich kann sie sehen, wenn das Licht von der Bühne auf sie fällt, die grünen Augen.

(Wieviele Menschen haben wirklich grüne Augen ? Weisst du das ? Ich glaube es sind nicht viele.)

Ich bin mehr als doppelt so alt wie sie. Und ich glaube, ich war nie so hübsch wie sie. Obwohl ich es gerne gewesen wäre.
Wir stehen noch immer nebeneinander und teilen diesen Moment zusammen. Die Musik. Die Stimmung. Diese leuchtende Discokugel, die über uns hängt und so nicht
zu dem Rockkonzert passt und zu der ich hoch sehe.

Und ich erinnere mich an unzählige Konzerte, die ich im Lauf meines Lebens gewesen bin. Es sind so viele und dennoch glaube ich mich an jedes einzelne zu erinnern: Ich war immer verliebt in
irgendjemanden. Oder gerade mal nicht verliebt. Nicht mehr Kind und noch keine Frau. Weder Fisch noch Fleisch. Vielleicht ist das Mädchen, das keines mehr ist, neben mir genauso.
Ich trug viele Narben davon, aus meinem Leben, überfuhr Stoppschilder und wurde dafür gebüsst. Habe mich oft selber gehasst und am nächsten Tag wieder umarmt.
Immer mit dabei war die Musik. Sie war immer Teil meines Lebens, der, der die Schläge meines Herzens bestimmte.
(Du hast gedacht, es seien meine Lieben gewesen, die Männer, nicht wahr. Die mein Leben bestimmten. Ich sage es dir jetzt: Dieser Gedanke ist falsch. Es war die Musik. Es waren Bücher.
Aber niemals Männer, die soviel Einfluss in meinem Leben hatten, dass ich mich wirklich an sie erinnere.)

Die Musik spielt noch immer. Das Mädchen lächelt in meine Richtung, ich lächle kurz zurück, bevor ich mich wieder der Bühne zuwende. Die Musik geht zuerst über die  Seele, dann über die Ohren.
(Ich weiss, du glaubst mir nicht. Aber es ist so. Versuche es mal)

Sie sieht so glücklich aus, so unbeschwert glücklich, dass ich sie  lange von der Seite her ansehe, bis sie auf mich aufmerksam wird: „Mam …?“ fragt sie  „alles okay ?“
Ich nicke.“Alles okay mein Schatz…“
(Ich würde mich  grad in dich verlieben. Maus. Jetzt auf der Stelle. Würdest du es nicht schon seit 17 Jahren ausfüllen, mein Herz.)

Wir teilen anschliessend  eine Cola zusammen und das Gefühl, nach Kokosnuss zu riechen (wir haben das gleiche Duschmittel) und gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken:
„Ich dich auch, Süsse “
„Ich dich noch viel mehr…“

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15 Gedanken zu “Ich dich auch

  1. und ich euch beide am allermeisten
    zu allem jajaja sagend
    doch einmal muss ich Einsprache erheben
    „Ich bin mehr als doppelt so alt wie sie. Und ich glaube, ich war nie so hübsch wie sie. Obwohl ich es gerne gewesen wäre.“
    gut du magst wohl doppelt so alt sein wie die Prinzessin doch du bist unbestritten nicht weniger hübsch
    meine Hübsche
    meine zwei beiden Hübschen

  2. Ist das wieder so ein gemeines Chromosomen-Dings? Mein lieber Schwan. Na immerhin, Kokosnuss hab ich verstanden.

    P.S.: Dieses neuartige Rosé hier rundherum macht mich ganz hei in der oberen rundlichen Extremität.

      • Ich nicht. War mir bisschen zu umständlich hier und da, dieses Operndings. Insbesondere die Unterdrückung von Werbung und animierten Grafiken fand ich bei Firefox besser durch Plugins unterstützt. (Cool, ein Browserthread … hier! Weiter so!)

        Ja, säulirosa, links und rechts, sehr breitstreifig. Was haben Sie sich nur dabei gedacht? Macht das der Aargau? (Aber über pubertierende Töchter herziehen …)

        • Monsieur.

          Ich bin betroffen über das Säulirosa und habe, auch ihretwegen, jetzt extra ! eine Umfrage gestaltet.
          Sie dürfen klicken.
          Die Auswahl ist gross.

          Ps. Diskutieren Sie gerne und ausführlich über Browser und die Kompatibilität derer. Mit anderen Funktionen.
          Über Windows. Linux. Und meinetwegen auch Apple.
          Nur nicht mit mir: Sie wären enttäuscht über die Einfachheit meines Gemütes, was technische Dinge betrifft.

  3. Sofasophia schreibt:

    ich schwelge in diesem wunderbaren text!
    du kannst über gefühle schreiben, ohne dass es kitschig oder klischeehaft oder sentimental rüberkommt.
    danke!

  4. Und jetzt muss ich auch noch meinen Senf dazu geben, obwohl ich nichts anderes sagen kann wie meine Vor-Kommentatoren: Ein hinreißender Beitrag. Ich hab ja auch eine Tochter, und so wie du es beschreibst – genauso ist es. Ein Geschenk. 🙂

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