Befindlichkeiten, Leben, Sehen

Blumen der Nacht

Seine Frauen tragen Highheels, viel zu kurze Kleider und sie weinen zuweilen, wenn sie seine Wohnung morgens verlassen. Ihr Gang ähnelt dem eines Seemans, der nach Wochen wildem Seegang endlich wieder festen Boden unter seinen Füssen hat.

Ihr Make up ist nie wasserfest genug, um morgens noch gut auszusehen. Sie haben alle lange Haare, die sie sich ins Gesicht fallen lassen, damit die helle Sonne sie nicht blendet.
Manchmal stolpert eine über einen Bordstein, fällt hin und, wenn sie Glück hat wie kürzlich, ist jemand zur Stelle, der ihr wieder auf die Beine hilft.
Das Knie ist dann aufgeschürft, es wird leise geflucht und man kann sehen, dass das nicht die einzige Blessur ist, die sie an ihren Beinen aufweisen: Sie beissen auf die Zähne, zupfen den Rock zurecht und schleudern sich weiter zur Bushaltestelle.

Während der Nachhall von irgendwas noch in ihren Blutbahnen Kreise zieht, das nicht dort hin gehört.

Vermutlich schlafen sie sich irgendwo aus. Tagsüber. Und sie können nachts dann wieder irgendwo in der Stadt gepflückt werden. Leicht welke Blumen für eine Nacht.
In der Hoffnung vielleicht, so sehe ich die Tränen in ihrem Gesicht morgens, dass sie Glück haben und Wurzeln schlagen können. In einer neuen Erde, ohne den Schmutz der Nacht auf
dem Asphalt der City, der an ihren Körpern Blutergüsse hinterlässt.

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3 Gedanken zu “Blumen der Nacht

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