Befindlichkeiten, Fühlen, Leben

Grenzen sprengen

Du stehst da und hast nichts weiter als Angst. Eine berechtigte, wie du findest, hässliche Angst, die dir die Kehle zu schnürt. Vor dir ist das blaue Nichts, in das du vorsichtig den Fuss stellst.
Warum bist du hier ? Das  Ganze willst du nicht. Nimm den Fuss raus, noch kannst du es, und geh !

Dein Körper steckt in einer engen Hülle, die dich vollends umschliesst. Du schwitzst. Das Gewicht an deinem Rücken wiegt viel mehr, als du je getragen hast.
Du bist im Begriff etwas zu tun, was du niemals getan hast. Was du nie tun wolltest. Etwas, was dem inneren Kampf einer kleinen Schnecke gegen einen Drachen entspricht.
Eine Schnecke bist du ! Entweder gehst du rein und stellst dich deiner Angst, oder du haust einfach ab. JETZT.

Du gehst nicht. Statt dessen gehst du einen Schritt weiter und steckst inzwischen bis zu deinen Knien in einem anderen Element. Deine Atmung wird flacher: Eine Undine wolltest du nie sein und Nixen waren dir von je her suspekt.
„Gehts ?“ Fragt der Mensch rechts von dir. Er berührt deine Hand und zieht den Sauerstoffschlauch über deine Schulter.
„Denk an das, was wir heute morgen gelernt haben. Gib Zeichen..so !“, er macht die Finger zur Faust und zeigt mit dem Daumen in die Luft, “ …wenn du unter Wasser Probleme hast. Dann tauchen wir auf.“
Du nickst. Jetzt kannst du nicht mehr zurück. Der See lockt. Die Tiefe. Die Grenzerfahrung. Dich überwinden.

Du setzt die Maske auf dein Gesicht. Tarierst deine Tauchweste und ziehst die Druckluftflaschen an deinem Rücken nochmals an. Prüfst, ob Sauerstoff aus dem Mundstück zischt. Okay, alles okay. Du zeigst deinem  Begleiter, dass du bereit bist.

Dann durchbrichst du die Wasseroberfläche und lässt dich fallen.
Fallen.
Mitten hinein in das nasse Universum der See.
Der Druck in deinen Ohren nimmt zu. Ein paar Fische schwimmen vorbei und scheinen von innen zu leuchten. Du nimmst sie kaum wahr: Dein ängstlicher Tunnelblick lässt das nicht zu. Blau, alles um dich herum ist leise und einfach Blau.

Später wirst du an deine eigene Grenze kommen, erneut. Der Mann wird dich zwingen, langsamer zu atmen, indem er deinen Blick mit seinem umschliesst. Genauso wie deine Hände. Atme ein-1 2 3 4-aus.
Gut. Langsam weiter, sobald das Herz wieder einen normalen Rhythmus hat. Bummbumm.Bummbumm.

Irgendwann wirst du dich entspannen. Deinen Körper im Wasser ausbreiten. Dich umsehen. Im Wissen, dass du die sichere Hand des Tauchlehrers an deinem Körper aufliegen hast.
Irgendwann bist du die Wasserundine. Die Nixe, die du nie sein wolltest. Du bist die Venus, die in dem Augenblick im Wasser geboren wird.
Du wirst Sand aufwirbeln, weil du eine Muschel auheben willst. Wirst die Sonne sehen, die glitzernd durch das Wasser bricht. Wirst dich wie ein Astronaut fühlen, der  die Erdanziehung hinter sich gelassen hat und nur noch fliegt.
Fliegt.

Du hast es geschafft ! Und dein inneres Glück darüber fühlt sich an wie kleine UBoote, die in deiner Blutbahn ichbinverliebt spielen und blubbernd explodieren.
Ja !

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Schwerelos

Standard

5 Gedanken zu “Grenzen sprengen

  1. Bricciola schreibt:

    willkommen in der welt der stille, der freiheit, der ruhe. und wenn du mal klarere wasser erkundest, dann werden sich dir farben präsentieren, die jeden maler vor neid erblassen lassen! geniesse diese neue ruhe und freiheit!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s