Fühlen, FotoArt, Schreiben

Leise

Einen freien Tag einfach damit zubringen, die Füsse hoch zu legen. Dabei lesen. Zum Beispiel das da oder das hier .

Mit einem Ohr den Traktoren zuhören, die darussen vorbei rattern. Mit Kisten, in denen Kartoffeln noch erdverkrustet darauf warten, Pommes zu werden.
Die Zeit ist relativ, gewinnt erst dann an Bedeutung, wenn man Kinderlachen hört: Die Schule ist zu Ende. Sich dabei bewusst werden, dass keine Kinder ins Haus mehr poltern.
Oder die Kirchenglocke eine volle Stunde anklingen lässt. Zuweilen auch, wenn ein inneres Grummeln darauf schliessen lässt, dass es Zeit ist, das Innere des Kühlschrank zu inspizieren.
(Wenn man nicht fündig wird, passt auch eine Schokoladencreme, die vorsichtig und duftend auf dem Herd gekocht wird, zu so einem entspannten Nachmittag.)

Die Katze ins Haus lassen, die kläglich (wie es nur Katzen können) draussen miaut. Dabei hoffen, dass sie kein Vogelgeschenk bringt. Und am Ende die Katze sich auf dem eigenen Bauch schnurrend einrollen
lassen, obwohl man dabei aus der eigenen Bequemlichkeit beim Lesen fällt: Man kann das Buch nur noch mit getreckten Armen lesen oder gar nicht.
Man hört den Esel von nebenan. Er hört sich an wie das dröhnende Nebelhorn eines Schiffes und in der Nacht hasse ich ihn. Weil er sein lautes Gejammer auch dann nicht lassen kann. Obwohl ich ein Faible für Esel habe.

Man lässt sich in die Story des Buches fallen, rutscht in die Protagonisten hinein. Mitten hinein.
Spätabends wird man sich leise bewusst, dass man einen glücklichen Tag mit sich alleine verbrachte.

Der Alltag in der hektischen Stadt kann bis morgen warten…

Standard

10 Gedanken zu “Leise

  1. Solche Tage habe ich auch wieder, ab und zu. Ein Geschenk. 🙂
    Seitenfrage: Über das Buch „Gerron“ hab ich neulich was im Radio gehört und ich möchts mir vielleicht kaufen. Ist der Schreibstil flüssig, oder sollte ich es ggf. lieber nicht in einem Wartezimmer lesen?

    • Solche ICH Tage sind wirklich was besonderes…Sie helfen beim zentrieren.

      Ich bin mit Gerron noch nicht sehr weit, eine Beurteilung ist eine rein Subjektive: Lewinski hat eine wunderbare Schreibe. Keine Bandwurmsätze mit diffuser Interpunktion. Bildhaft. Ich denke, man kann ihn flüssig lesen. Auch in der Badewanne oder mit einer schmusewilligen Katze auf den Knien 😉

  2. Was für zwei Bücher,
    liebe Madame Lila,
    es wundert mich nicht, dass Sie Ihre hochgelegten Füsse nicht mehr vom Sofa hinunterbringen 😉
    Den ‚Hundertjährigen, der zum Fenster hinauskletterte‘ lese ich übrigens in Originalsprache und komme so zu einer Wortschatzerweiterung der ganz anderen Art…
    Herzlich Hausfrau Hanna

    • Oh.
      Als ich das Buch in den Händen hielt dachte ich noch: Nicht schon wieder so ein Buch über Rentner.
      Vorurteile sind dazu da um gebrochen zu werden.

      Dass du ihn in schwedisch (?) liest, beeindruckt mich. So richtig.
      Eine gewaltige Möglichkeit, ein Buch im Original zu lesen.
      Himmel. Ich beneide dich darum.

  3. von lewinsky hab ich schon andere bücher gelesen. ich mag seinen stil auch sehr. und er hat auch echt was zu erzählen.
    so tage … hm, ja, das müsste ich mir auch mal wieder erlauben. ein geschenk an sich selbst – das tut doch einfach gut und ich gönne es dir von herzen!

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