Befindlichkeiten, Leben

Das Chaos ist Lila

„Lilaaaa ! Dein Smart rollte die Hauptstrasse runter und wurde von der Polizei gestoppt…Was um Himmels Willen treibst du ?“

Anrufe auf mein Geschäftshandy sind immer dringende Fälle, die keinen Aufschub verlangen. Vor allem morgens um 9 nicht.

Über all und Tag für Tag,
ein kurzer Blick und abgehakt,
hab dich gesehn und gleich gehasst,
Schublade auf gut rein gepasst,
es lebe hoch mein Vorurteil,
es macht mich stark, ich fühl mich geil,
gefühlte Überlegenheit,
die Quelle meiner Eitelkeit

Ich werf den ersten Stein, bin ohne Schuld,
trag den Heiligenschein, was keiner weiß,
ich werd unter all den letzten Ketzern der erste sein…

Sang Daniel Wirtz gestern Abend von der Bühne herunter und ich war nach einer sehr kurzen Nacht einfach nur müde. Keine Lust aufzustehen, die Bitte, dass die Erde sich doch einfach ein bisschen langsamer dreht, damit ich länger schlafen kann, versank im Dunkel des Morgens. Mein Geist hinkte lahm hinter meinem Körper her, der sich wahllos in herumliegende Kleider vergrub, um nicht zu frieren.
(Wie ich später erstaunt bemerkte, schaffte ich es an diesem Morgen sogar, farblich passende Socken anzuziehen. Eine Meisterleistung, die mir in wacherem Zustand selten gelingt)

Wer hier mitliest weiss vermutlich, dass ich beruflich in der City herum fahre und Patientenbesuche mache. Dass mein Alltag sich in der Ebene zwischen täglichem Stau, Verbänden, Parkplatzsuche und neurotischen Kranken bewegt.
Und wer mich näher kennt, weiss auch, dass meine traumverlorene Art eine fantastische Ergänzung zu meinem tollpatschigem Verhalten ist : Wenn es irgendwo eine Türe gibt, in der man sich einen Finger quetschen kann; Ich tus ! Liegt irgendwo ein Stein, über den man stolpern kann: Ich will und werde ! Gibt es irgendwo Verwechslungen mit halbleeren Gläsern: Ich bin dabei ! Stapel im Supermarkt runter werfen: Ich ! Bitte ! Ich!

Nur so kann ich mir erklären, dass ich heute beim Parken vergass, die Handbremse zu ziehen. Das an einer vielbefahrenen Strasse mit einem richtig schönen Gefälle.  Im morgendlichen Berufsverkehr, mit dem Geschäftsauto: Rollt irgendwo ein Auto fröhlich und unbeschwert des Weges…Ich wars.

Die Polizei hatte den, durch mein flüchtendes Auto gefährdeten, Verkehr inzwischen im Griff und das Auto dingfest gemacht als ich, durch den Anruf von Frau Chef alarmiert, hinzu kam.
Da mein blubberndes ICH noch zuhause im Bett schlief, war ich kurz versucht den Gesetzeshütern zu sagen: „Ich wars nicht.Ich bin gar nicht hier.“  Wobei mir beim Überdenken dieser Möglichkeit rasch klar wurde, dass mir niemand glauben würde.
Nicht genug, dass ich eine lebende Gefahr für andere darstelle, ich kann zudem nicht lügen. Ich werde dermassen rot im Gesicht dabei, dass ich als Betrüger sofort entlarvt werde. Immer.

So lernte ich heute einiges: Immer die Bremse im Auto anziehen. Und nett zu Polizisten sein. So nett und charmant, dass sie von einer richtig saftigen Busse abgesehen haben.

Und mal wieder früh ins Bett gehen. Unbedingt.

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13 Gedanken zu “Das Chaos ist Lila

  1. Ooouuuuhhh…. ein Smart auf Irrwegen, weil die Dame von der S….x noch schläft- und das bei der Arbeit! Da hast du ja so richtig Glück gehabt, dass zumindest dein Charme auf Hochtouren gelaufen ist! Und hej, lügen kann ich auch nicht- aber lügen bringt einem auch nicht wirklich weiter. Deshalb lassen wir es besser, oder? Und deine Geschichte lässt erkennen: Ehrlichkeit währt am längsten und die Nacht ist dazu da, den Schlaf des Gerechten zu schlafen…. :oD
    Dazu bekommst du dieses Wochenende ja sogar eine Stunde geschenkt….
    In diesem Sinne: Bonne nuit!
    Herzlichst,
    FrauHummel

  2. naja
    im gartehuus lieget oft lila.fäden rum
    bei wiederaufnahme versponnen ergeben sie sichtbarmachende gewebe
    und wenn der lila.spass im gartehuus in den himmel wächst kann d’hummel schon mal zum schluss geraten *lila’s.schuld*
    so gesehen
    naja
    ist das chaos ein bisschen lila
    doch wie grau wär die welt ohne dies lila
    für mich nicht auszudenken die welt ohne dies bissel.chaos.lila

    • 🙂

      Du weisst, ich verweile liebend gern in deiner inspirierenden Oase.
      Für mich jeweils Wellness pur: Mein hektisches Leben sich selber überlassen und im Gartenhaus etwas Lilachaos verbreiten…
      Und mich verwöhnen lassen.
      Ps. Das Rezept für deinen speziellen Chai Tee ist ein gut gehütetes Geheimnis, nicht wahr ? 😉

  3. „aaaiiiii, autsch“, hab ich beim lesenvor mich hin gestöhnt. duu arme aber auch. zum glück ist dein charme unfehlbar.
    *hintervorgehaltenerhandimflüstermodusein* wäre das jetzt einem mann passiert, dem gnade göttin! *hintervorgehaltenerhandimflüstermodusaus*
    aber gut, dass nichts schlimmes passiert ist.
    und gut, dass du das mit uns teilst. so von wegen unterhaltungswert … 🙂

    • Es war soooo peinlich !
      Da bleibt wirklich nur eines: Freundlich bleiben, den Fehler zugeben und —> Lächeln.
      (Das ich-verzaubere-dich-mal Lächeln.
      In diesem Momenten bin ich allerdings wirklich dankbar, dass ich Brüste habe und nicht vor Testosteron fast platze)
      🙂

  4. Madame, das mit dem „immer die Bremse anziehen“ vergessen Sie gleich mal wieder. Im Winter kann Ihnen das noch viel mehr Ärger einbringen, ausgerechnet im dümmsten Moment.

    Aber seien Sie froh, wenn nicht allzu viel passiert ist. Ich kannte einen Saab, der wurde von seinem Besitzer, welcher zum Einladen eines Schlauchboots rückwärts eine Rampe zum Wasser hinabgefahren war und dort die Handbremse vergass, im Bodensee versenkt. Gluck gluck. Das Schlauchboot gleich mit. Dann kamen zwei Feuerwehren, die österreichische und die Schweizer, und es musste erst einmal die Zuständigkeit verhandelt werden. Man brachte dann ein Stahlseil an der Stossstange an, um das Kfz einfach herauszuziehen. Diese riss mit einem Knall einfach ab. So ein Saab wiegt alleine schon bald zwei Tonnen, dazu noch das Wasser darin … Man musste ihn also tatsächlich mit aufblasbaren Schwimmern nach oben hieven, was dann irgendwann gelang … Interessant nun aber noch die Reaktion des schlauen Eigentümers: damit in der Nachbarschaft niemand fragt, wo denn das Auto so plötzlich geblieben sei, hat er schleunigst ein genau gleiches gebraucht gekauft, gleiche Farbe und alles. Und niemand hat’s gemerkt!

    • *lautlach*

      Mösiö…Ich liebe Ihre Geschichten ! Was soll ich an meinem freien Tag (heute!) das 20 Min lesen, wenn ich Sie habe. Wundervoll.
      Am meisten Spass hat mir dir Vorstellung gemach, wie zwei Nachbarländer zuerst die Zuständigkeit der Behörde unter sich aus machen müssen: Dümpelt der Bodensee doch an 3 Ländern vor sich hin.
      Während ein Saab ein Bad nimmt 🙂

      • Es haben dann die Schweizer gemacht, weil die ihre scheissteure Technik, die nie in Einsatz kam und in den Geräteschuppen vor sich hin verstaubte, endlich mal ausprobieren wollten. Drum haben dann auch gleich über 20 Mann daran teilgenommen, mehrere Taucher und so Zügs. Wirklich wahr!

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