Schreiben

96’066’00 und eine Sekunde

 

Ich wusste schon wie er *riecht, bevor ich ihn traf. Und ahnte wie warm es wird, wenn er in meiner Nähe ist. Es bestand damals die Möglichkeit, dass etwas grossartiges aus unserem Zusammentreffen entsteht.Oder scheitert, bevor es richtig beginnt. Entweder oder, das weiss man nie. Hält die dünne Hülle, die uns umgibt, oder zerbricht sie beim ersten Windstoss ?
Kommen wir gemeinsam zum Kern, der alles verbindet und zusammehält, oder lassen wir es lieber sein ? Weil es weh tun kann.
Am nächsten Morgen lag eine Schneedecke über der Landschaft, die nicht meine war.

Und er fragte: „Wenn du gehst….Sehe ich dich wieder ?“

Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht und fuhr weg. Den Hügel hinauf und wieder runter, diese kurvige Strasse, die man nur in geringem Tempo fahren kann, wenn man nicht die Spur verlieren will.
Und ich spürte, dass es mir unmöglich war, einfach aufzuhören. Bevor es richtig begonnen hat. Ich atmete noch immer sein Lachen aus, die geteilten Worte. Roch diesen warmen, würzigen Duft, der mich an einen Pinienwald und an das Meer erinnerte. Spürte diese Wärme, die sich nicht auf den Körper beschränkte, sondern mein Inneres einnahm.
Während ich den Hügel langsam hinter mir liess, das Tempo beschleunigte, um meine Gedanken abzulenken.

Ich hätte zu diesem Zeitpunkt schon umdrehen können. Das Auto wenden und zurück fahren. Weil ich spürte, dass da etwas einrastet in mir und in Bewegung gerät, was ich vernachlässigt hatte.
Die Gedanken stoben herum wie verwirrte Blätter, die der Baum entlässt und dem Wind zum Spiel übergibt. Komischerweise flogen die Blätter alle in eine, seine, Richtung.

Ich fuhr zurück zu diesem Mann mit der goldener Aura um die Iris herum. Nicht an diesem Tag. Auch nicht am nächsten. Aber am übernächsten. Als die Sehnsucht so gross war, dass sie bestimmt einen Riss in meine Brust geschlagen hätte die nie mehr richtig heilt.

Das ist genau 1112 Tage her. Oder 26685 Stunden. Oder 1601100 Minuten. Oder 96066001 Sekunden.
Ich habe nie bereut, dass ich zurück fuhr. Keine einzige Sekunde nicht.

*Tonkabohnen, Pinienwald, Vanille, Sandelholz und Meer.


Tears of dragon

->herzlichen Dank an diese Dame für die gestalterische Rettung des Textes !

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3 Gedanken zu “96’066’00 und eine Sekunde

  1. oooh, du bringst mich da auf tolle ideen. das habe ich früher immer gemacht. sekunden! dann wird das ganze viel fassbarer, seine grösse, seine köstlichkeit. obwohl es ja grad auch die unfassbarkeit ist, die den ganzen zauber ausmacht.

    >>> wegen der schrift: geh einfach im bearbeitungsmodus statt auf ansicht auf html ( das st ein reiter rechts über dem textfeld) und nimm die dinger in klammern raus … ist ganz einfach 🙂

  2. Ja, Duft … hat eine unbeschreibliche Wirkung auf uns! Ohne Umwege knallt er in die Birne und gleichzeitig ins Herz….

    *Tonkabohnen, Pinienwald, Vanille, Sandelholz und Meer …. wer kann da widerstehen??

    ???

    Keine!

    ?

    Grüße von Ellen

    • Vor allem die Tonkabohnen :-)…Manchmal finde ich welche zum kaufen….Dann trage ich tagelang einzelne Tonkas in meinen Jeans herum, schnüffle wie ein Hund daran, bis sie restlos ausgerochen wurden…
      -Glücksgefühle-

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