Schreiben

Warum Hunde nicht reden können

Die Liebe zwischen Sokrates und mir ist eine spontane, emotionale und eine verwirrende.
Liebe auf den ersten Blick ist keine Lüge von Verliebten, die auf einer rosaroten Blumenwiese herum säuseln und im Partner die Ergänzung ihres beschädigten Ich sehen. (Jene, die ein paar Monate oder Jahre später behaupten: Es hat irgendwie von Anfang an nicht gepasst. Ich wollte es nur nicht wahrhaben).

Zwischen mir und Sokrates ist es anders verlaufen. Was womöglich daran liegt, dass Sokrates ein Hund ist . Und ich ein Mensch. Liebe auf den ersten HundeMensch Blick.

Wir trafen uns das erste Mal, als ich die Haustüre zu einer Patientin öffnete und der schwarzweisse Kerl voller Begeisterung (meine war genauso gross) vom Garten her quer durch das Haus rannte auf mich zu rannte. Wir begrüssten uns wie lange vermisste Freunde, die einander nach einem überlebten Krieg wieder in die Arme schliessen können. 
Ich zerwuschelte hemmungslos sein Fell und wich gleichzeitig seinen stürmischen Liebesbezeugungen aus, in dem ich meinen Kopf wie ein wackelnder Dackel aus der Erreichbarkeit  seiner Zunge schob.

Die Patientin schwor überzeugend, dass Sokrates im Grunde ein charakterfester Hund sei, der bisher Menschen gegenüber eine vornehme Zurückhaltung an den Tag legte. Er gehöre, fügte sie an, ihrem Freund.
Der Besitzer von Sokrates befand sich im Garten, wie ich sehen konnte, und schlief .
(Wie ich später feststellen bemerken würde, war Sokrates Besitzer ein müder: Er schlief immer wenn ich bei der Patientin war. Draussen im Garten oder auf dem Sofa. Die langen Haare wie einen Vorhang über sein Gesicht gezogen)

Sokrates und ich verbrachten ein paar schöne Wochen gemeinsam. Bis die Wunde der Klientin das tat, wozu ich regelmässig bei ihr war: Sie schloss sich und weitere Besuche meinerseits waren nicht mehr nötig.

Oh Sokrates. Kein wo ist der Ball ?, Sitz Platz (Guetzli reichend) , keine stürmische Begrüssung  mehr.
Jede Liebe geht mal zu Ende, wir wussten von Anfang an, dass die Trennung unabdingbar ist. Trotzdem…

Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende und bekommt eine wundersame Wendung ! (Wer hier aufgibt und auf einen anderen Blog weiter klickt, verpasst das Beste. Lilaehrenwort.)

Ein paar Monate später  wurde ich zu einer jüngeren Patientin gerufen, die Hilfe für den Verbandwechsel brauchte. Alltag und nichts besonderes für mich. Ich fuhr in das Quartier, fand das Haus rasch und stieg die Treppe zur Wohnung hinauf. Wie abgemacht klingelte ich und trat in die für mich noch fremde Wohnung…..Ich kam nicht mal dazu die Türe hinter mir ins Schloss zu drücken, als ein schwarzweisse Fellknäuel so in mich hineinrannte, dass es mich fast umwarf.
Soviel Power hat nur ein Hund: Sokrates !

Die Begrüssung entsprach wieder jener Freunde, die einander für immer verloren glaubten und überraschte auch die neue Patientin, die mit einer misstrauischen Falte auf der Stirn fragte, woher Sokrates und ich einander so innig kennen.
Der Hund gehöre nämlich ihr und ihrem Mann.
Jener schlief diesmal nicht, sondern stand erschüttert (und etwas bleich, wie mir schien) hinter seiner Frau.
Und beide waren, aus unterschiedlichen Gründen, gespannt, was für eine Erklärung ich ablieferte.

Seither bin ich sicher zu wissen, warum Hunde nicht reden können. (Schade eigentlich. So gesehen. )

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4 Gedanken zu “Warum Hunde nicht reden können

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