Leben, Menschen, Schreiben, Staunen

Die Lügen

Ich habe gelogen. Heute.
Nicht einmal, sondern zweimal. Interessant ist einerseits, dass ich mir vermutlich damit 200 Karmapunkte geholt habe und andererseits ist interessant, warum ich log.

Das war so:
Die Sonne schien und die uralte Dame verbringt die Tage zumeist müde und traurig im Bett. Vermutlich auch darum, weil niemand sich Zeit nimmt von den Angehörigen, um sich um sie zu kümmern. So richtig meine ich, wie es möglich wäre.

Ich war also bei ihr heute Nachmittag. Nur kurz, eigentlich, weil mein Zeitplan auch sehr starr ist.
(Ich komme nicht umhin zu erwähnen, dass besagte Dame eine trotzige ist, eine kluge und eine humorvolle). Draussen schien die Sonne, vermittelte den Eindruck von Sommer, während im Haus drin die Vorhänge kaum Licht durch lassen.

Sie brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich sie endlich vor das Haus bugsiert hatte, dorthin, wo die Sonne an einem blauen Himmel stand und Glitzerpunkte auf den kleinen Teich mit den Fischen und den Molchen warf.
Ich setzte sie auf den Gartenstuhl, den ich zuerst vom Laub befreien musste. Dann schloss sie die Augen hielt sie ihr zerfurchtes Gesicht an die Sonne und fragte:
„Sind wir am Meer ?“
„Ja !“ (Erste Lüge !)

Sie strahlte und bot ihrem Gesicht die Möglichkeit, dieses in tausend Falten zu legen.
Ich zupfte mir ein paar Blätter (Nadeln ?) vom Lavendelbusch, legte sie in ihre Hände und forderte sie auf, diese etwas zu zerreiben und dann daran zu riechen.

„Sind wir in der Provence ??“
„Ja !“ (Zweite Lüge)

Ich fühlte mich gut. Sie fühlte sich noch besser.
Manchmal hilft Lügen und macht glücklich.

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13 Gedanken zu “Die Lügen

    • Und wenn ich Minuspunkte dafür bekomme: Weisch wie gliich esch das ? :-).
      Ich habe einen Menschen mit wenig Aufwand richtig happy gemacht. Das fühlt sich
      rüdig gut an .

  1. sweetminds schreibt:

    Manchmal sind Lügen erlaubt. Gerade wenn kleine Lügen einen Menschen so glücklich machen kann. Das sind auf jeden Fall Pluspunkte 🙂

  2. Das ist voll ok (so würde es mein Sohn ausdrücken) so! Es hat immer so was Wehmütiges, wenn man solche Situationen erlebt. Wenn ich denke, dass ich bald zwei Wochen Provenceurlaub genießen darf… wirklich dort sein …. Aber ich nehme an, dass die trotzig-wunderbare alte Dame eben genau das auch in ihrem Leben hatte, denn sonst hätte sie nicht nach der Provence gefragt und sie gerochen! Sie scheint intensiv gelebt zu haben.

    liebe Grüße von Ellen

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