Schreiben

Die Veilchenbraut

Als sie in diesem weissen, glänzenden Kleid im Raum stand und die Aufmerksamkeit aller Anwesenden sich in ihrem Lachen spiegelte, erinnerte ich mich….Wie oft wir geredet haben, geredet, und nochmals geredet. Weil Reden immer hilft, irgendwie. Und wie ich  immer  ihre wilde Entschlossenheit bewunderte, ihre sture Beharrlichkeit, die sie am Ende dort in diesem weissen Brautkleid stehen liess.
In der Zeit, in der wir uns kennen, hat sie immer wieder eine falsche Abzweigung genommen. Kam etwas vom Weg ab, ruderte wild herum, um nicht die Balance zu verlieren, vergoss ein paar Tränen und hüpfte trotzdem weiter.
Das waren jene Momente, in denen ich kaum sprach, dafür um so mehr zuhörte.
Wir haben gemeinsam die Zweifel und die Missgeschicke in tausend Stücke zerrissen und an das Gute geglaubt. Immer.

Sie ist eine der wenigen, die mich selbst immer wieder in Frage gestellt hat. So sehr, bis meine Wut hoch kochte, weil sie Recht hatte, mit dem was sie sagte. Ich aber nicht bereit war, das zuzugeben. Anschliessend schloss sie meine Wunde jeweils  mit einem Lächeln, als wäre nichts gewesen.

Sie ist eine schöne, mit schönen blauen Augen. Ich glaube, ich habe nie ein derartiges augenblau bei jemand anderem als bei ihr gesehen. (Stell dir mal Veilchen vor. Und blaue Hortensien. Dann mische die Farbe der beiden Blumen. So kommst du annähernd an das Blau, das ich meine.)

Als sie ihn kennen lernte, war es, als würde sie mir (die unter Höhenangst leidet) den Flug von einem
1o Meter Sprungbrett in einen See erklären : „Das ist Liebe !“

Wie das so ist, wenn man frisch verliebt ist, konnte ich seinen Namen mit der Zeit nicht mehr hören. Weil sie ihn so oft aussprach. Eigentlich sprach sie über nichts anderes mehr.
Dummerweise ist sein Name der gleiche, wie mein Name.
Wenn sie also meinen Namen aussprach, konnte sie genauso gut ihn meinen. Oder mich, wenn sie seinen
nannte.

Sie war sich ihrer Sache so gewiss, als sie mir mal sagte, dass sie sich vorstellen könnte, diesen Mann zu heiraten, dass ich beinahe neidisch wurde. Nicht auf ihre Liebe zueinander, sondern auf die sichere Gewissheit, dass ER ihre Bestimmung ist. (Ich war mir zeitlebens nie sicher, niemals, bei gar nichts. Schon gar nicht, als ich geheiratet habe. Ich bin die chronische Zweiflerin, die immer die Schuhe anbehält, um wegrennen zu können, wenn es denn sein muss.)
Da war kein Zaudern auf ihrer Seite, nicht das geringste. Sie brauchte kein Rettungsboot, das sie im Zweifel
chartern könnte.  Gar Nichts.

Da stand sie also. Die schöne Braut in ihrem Hochzeitskleid.
(Hochzeiten stimmen immer melancholisch und trüben zuweilen die Wahrnehmung. Dennoch kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass sie die schönste Braut war, die ich je gesehen habe.)
Und ich habe ihr in diesem Augenblick alles erdenklich gute für ihr gemeinsames Leben gewünscht.
Leise. Und mich bedankt dafür, dass sie mir immer wieder gezeigt hat, dass Lachen und Weinen beides Kinder des Herzens sind und zusammen gehören .

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Ein Gedanke zu “Die Veilchenbraut

  1. möge dies kein happy end, sondern ein happy life und happy way sein für deine freundin. das gibts nämlich – weil, es gibt menschen die das gute in ihrem leben einfach annehmen können. ja, die gibts. auch wenn ich ewig zweifle. vielleicht weil ich nicht blauäugig bin? 🙂

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