Fühlen, Schreiben, Sehen, Staunen

Von Schweden, Blumen und dem Glück

Roti Rösli im Garte Maieriesli im Wald Wenn dr Wind chunnt cho blase. De verwelked sie bald.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich dieses Kinderlied gelernt habe. Irgendwann war es einfach da. Genauso wie mein ehrgeiziges Streben, ebendiese Maieriesli im Wald zu finden: Nicht sauber gepflegt, akkurat nach dem Plan des Menschen aufgereihte Blümchen, sondern ein archaisches Feld davon. Wilde Maienriesli im Wald, die in glücklicher Harmonie mit den Tannen und Rehen dort ihr spannendes Leben fristen.

Dort wollte ich mich hineinlegen, mit der Nase voran, mitten in die duftenden Blumen. Rücksichtslos geknickte Blumenstängel nähme ich in Kauf für den absolut reinen Luxus des puren Duftes in meiner Nase. Den ich als Kind schon liebte.

So sehr und so ausgiebig, dass ich seit Jahren immer wieder auf der Suche in Parfumerien nach dem reinen Maiglöckchenduft bin. Einmal hatte ich ihn, den fast perfekten Duft. Den gibt es nicht mehr.
Seither suche ich weiter.

Letzte Woche  fuhren wir in der Nähe von Ystad durch einen Wald mit dem Ziel, an den grossen Sandstrand zu kommen. Plötzlich waren sie da. Leuchtend weisse Glöckchen an kurzen, dicken Stängeln. Hunderte davon. Tausende. Ein ganzes Feld von Maiglöckchen tauchte unvermittelt auf und ich war plötzlich wieder 6 Jahre alt:
“ Dis moi grand mere….“, sagte ich meiner Grossmutter, wenn meine Suche nach dem Blumenfeld im Wald mal wieder erfolglos verlaufen war, „…gibt es solche Felder mit Meienriesli im Wald überhaupt oder ist das eine Lüge ?“

Es sei keine Lüge, sagte sie, so sei es mit vielen Dingen im Leben. Man brauche Zeit. Vieles sehe man nicht einfach so. Und wenn man genug Geduld habe und nicht aufhöre daran zu glauben, erweise sich das als Glück.

Ich glaubte ihr. Alles. Schliesslich war sie meine Oma.
Und sie hatte Recht.

Nur mit einem hatte ich selber nicht gerechnet, dass ich mich so unter Kontrolle haben würde, um mich NICHT bäuchlings in ebendieses Feld zu legen, um in diesem Duft zu baden.
Aus einem einzigen Grund habe ich es nicht getan: Ich habe mich auf dieser Schwedenreise so in das Land verliebt, dass ich spürte, dass ich noch oft die Gelegenheit haben wollte, mich in so ein Feld zu legen.Dort wo sie tatsächlich noch wild wachsen.
Und jetzt habe ich die Wahl und die Freiheit es zu tun oder zu lassen.
Ich glaube, ich fürchte mich auch ein bisschen davor, die Stängel zu knicken.

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12 Gedanken zu “Von Schweden, Blumen und dem Glück

  1. Maieriisli waren schon IMMER meine Lieblinge. Ich habe mir vor Jahren im Gartencenter ganz viele davon gekauft, sie wachsen jeden Frühling hoch empor……………………………aber nur ganz selten gibt es Glöggli dran:-((
    Aber bei meinem Mami im Garten wuchern sie regelrecht, und so bekomme ich zu jedem Geburtstag immer ein dickes Sträusschen Maieriisli:-)))

  2. Ich bin ziemlich oft umgezogen und habe bei allen Häusern, in denen ich wohnte, Maienriesli gepflanzt.
    🙂

    Hast du gewusst, dass in Frankreich traditionsgemäss am 1. Mai der Geliebten ein Strauss Maiglöckchen überreicht wird ?
    Wir waren mal auf einem Camping in Südfrankreich an diesem Tag. Beim winzigen Zelt neben uns standen ein Dutzend Sträusse in leeren Joghurtgläsern frühmorgens.
    Da muss einer sein Mädchen ja sehr geliebt haben 😉

    • Hach, muss das schön gewesen sein.
      Jetzt weiß ich, warum bei mir im Garten d
      ie Maienriesli (was für ein schöner Name ☺) wuchern, mein Schatzi wird sie gepflanzt haben ☺.

  3. sweetminds schreibt:

    Schöön!
    Vielleicht interessiert dich ja das Buch „Das Maiglöckchenphänomen“. Dort geht es um den Geruchssinn und warum der Duft der Maiglöckchen eine wichtige Rolle spielt 😉 Fand ich sehr interessant.

  4. willkommen im club – die schwedenverliebtheit meine ich 🙂 seit drei jahren ist mein herz irgendwie da oben hängengeblieben und in norwegen. letzten sommer in schonen – ach, ich bekomme heimweh, was sag ich da? fernweh meine ich.
    ach, und die maieriisli liebe ich auch. nicht so exklusiv wie du, aber doch sehrsehr.
    ein wunderbarer text!

    • Es wurde mir prophezeit, weisch, dass ich mich in Schweden verlieben würde. Ich habe gelacht darüber. Jetzt nicht mehr.
      Hmmmm. Es ist magisch dort…Aber wem erzähle ich das 😉

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