Befindlichkeiten, Leben, Menschen

Milch und Kuchen

Direkt gegenüber ist die Käserei.
Jeden Abend bringen eine handvoll Männer die Milch  ihrer Kühe zu Fuss dorthin, leeren ihre Milchkannen, und setzen sich anschliessend auf die alte Holzbank . Müde.
Es sind immer mindestens zwei, die dann schweigend nebeneinander sitzen. Ein Bier trinken und einen Stumpen rauchen.
Wenn ein Auto vorbeifährt, schwingen ihre Köpfe synchron dem fahrenden Auto nach.
Winkt einer von ihnen dem Auto nach, machen es die anderen auch.

Gehe ich am Fenster vorbei, folgt der Blick aller mir. Schweigend.
Einmal habe ich ihnen gewunken. Um zu sehen, ob unser Fenster spiegelt oder ob sie mich wirklich sehen. Sie haben die Hand gehoben, nur minim, ein geringer Aufwand, schliesslich kennen sie mich nicht, und zurück gewunken. Alle drei.
Ich wurde verlegen und zog die Vorhänge zu. (Es war der einzige Abend, an dem die Vorhänge zugezogen waren. Ich mag  es hell. Offen)

Es ist ein Schauspiel, dass sich jeden Abend wiederholt. Pünktlich um 18 Uhr. Sie kommen. Leeren ihre Milch und setzen sich für eine halbe Stunde gemütlich hin, und schweigen einander die Erlebnisse des Tages zu. Betrachten das Haus, oder kommt es mir nur so vor, in dem die Patchworkfamilie wohnt. „Bei denen weiss man nie genau, wieviele Kinder sie eigentlich haben. Da sind, besonders am Wochenende, einfach zuviele, dass man sie zählen könnte“

Jeder von ihnen hat ein abgewetztes Kissen, vermutlich sei eigenes, auf dem er sitzt. Auf der alten Bank. Ich habe das gesehen, neugierig wie ich bin, bin ich spätabends mal rüber und habe mich dort hin gesetzt. Wollte sehen, was sie sehen.: Eine Strasse, wenig befahren. Ein altes Haus mit unzähligen Blumentöpfen . Ein uraltes Fahrrad, das als Deko dort steht. Ein beleuchtetes Fenster, oben. Man kann den Blumenstrauss sehen, der dort auf der Fensterbank innen steht.
Ich kann die Frau sehen, die ich bin, die dort oben (vermutlich zerzaust und nachdenklich an ihrer Unterlippe nagend) am Fenster langsam vorbei geht.

Was ich mir dabei vorgenommen habe: Einen Kuchen zu backen. (Vielleicht Schokolade ? Männer mögen Schokolade lieber als Vanille oder Obst oder Zuckerguss).
Dann abends zu den Mannen rüber gehen. Sagen: „Hallo. Ich bin Lila. Ich beobachte euch schon eine ganze Weile…Ich weiss, ihr beobachtet mich auch“

Dann: Ich weiss nicht. Irgendwas wird passieren. Oder gar nichts.
Aber das weiss ich erst, wenn ich den Kuchen gebacken und gebracht habe.

Ich erzähle euch anschliessend davon. Versprochen.

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13 Gedanken zu “Milch und Kuchen

  1. T.M. schreibt:

    Ja, Schokolade ist gut. Erd- oder Johannisbeeren oder Zwetschgen wären besser. (Das kommt noch aus Zeiten, in denen der Mann, wenn er von der Jagd kam, tagelang ein, zwei Mammuts am Rüssel hinter sich her schleifend, sich ja irgendwie unterwegs ernähren musste. Da ass er halt Zwetschgenkuchen. Das hätten Sie jetzt nicht gedacht, wie?)

    • Danke für ihre Gedanken, Mösiö. Ich werde also einen Kuchen mit einer Auswahl an Beeren backen.

      Wobei ich noch erwähnen möchte, zum Säbelzahntiger oder dem Mammut: Wäre damals die Schoggi bereits erfunden worden, hätte der Jäger nicht nebenbei beim Schleppen des Tieres nach Beeren gegriffen, sondern nach einem Mars Riegel in seiner Tasche.
      Scho sicher !
      Mars macht mobil. Das wäre schon in Zeiten der Höhle so gewesen .

  2. Hmmm, … Lila … oder ein Schoki-Kuchen mit wenig Mehl, damit die Nebelwolke gar nicht erst entsteht und freie Fahrt für Gespräche herrscht … 🙂

    Reseppt hab isch auhs Froooonkreisch führ Diechhh, meine Liebe … ♥

    160 gr. Butter
    100 gr. Schokolade
    4 Eier
    80 gr. Mehl
    280 gr. Puderzucker

    Butter und Schokolade mit ein wenig Rum auf kleiner Flamme schmelzen, dabei umrühren. Eier schlagen. Mehl + Puderzucker vermengen. Eier dazu geben

    Wenn die Schokolade abgekühlt ist, diese mit den anderen Zutaten vermengen.

    Alles in eine gut gefettete Form hineingeben und im vorgeheizten Backofen bei mittlerer Temperatur (150 – 180 °C) ca. 25 Minuten backen.

    Auf einen guten Schwatz,
    Petra

    • Dein Rezept wird am WE ausprobiert !
      Das von Ulla habe ich gestern gebacken, (Pssst. Dabei die Hälfte der Kuchenmasse direkt aus der Schüssel geschleckt.) Wunderbarlecker wurde er. Das allerbeste war wohl der Pfeffer, den ich reinbröselte. Passt.

      Feedback über dein Rezept am kommenden Montag 🙂

  3. Ulla schreibt:

    Das ultimative SchokoKuchenRezept:

    Tarte au chocolat:

    120 g Butter
    125 g dkl Bitterschokolade (75%)
    4 Eier ( trennen)
    120 g Zucker
    100 g gem.Mandeln
    1 EL Speisestärke

    Eiweiß steif schlagen, Butter und Schoki zusammen schmelzen (Wasserbad o.Mikrowelle)
    Zutaten vermengen – zuletzt Eischnee unterheben.

    Teig in eine gefettte Tarteform (o.Springform) geben, 20- 30 Min bei 200 C backen.
    Innen bleibt die Tarte weich….
    Wenn die Tarte kalt ist, kann man sie auch noch mit einem dkl. Schokoüberzug bestreichen.

    Dieses Rezept ist dermaßen sündig, dass es eigentlich schon an
    Körperverletzung grenzt! 🙂
    Als Kalorien-Alibi gebe ich frische (leicht gezuckerte) Erdbeeren
    dazu….auch ein Kläckschen Sahne passt hervorragend 🙂

    Probiers mal aus…es ist wirklich toll.
    Gruß von Ulla

    • Als Vegi bin ich schlecht im backen von Torten, die Fleisch drin haben. Womöglich in einer Variante mit Tofu….Aber ob es den zünftigen Bauern schmecken wird, wage ich zu bezweifeln 😉

  4. Ich würde sagen, die zwei Milchjungs (passendes Wort?) haben einfach einen Rythmus, der ihnen schon bisschen zu weit in Körper und Geist übergegangen ist? Vielleicht machen sie den Job schon 30 Jahre? Wobei das irgendwie gruselig wäre…

    (Ich will auch was vom Kuchen *mampf*)

  5. Kuchen mit Schokopudding drin – das ist die richtige Mischung! Aus meiner Hospizarbeit weiß ich, dass Männer unfehlbar Pudding lieben! Sehr lieben!
    Obwohl ich den Verdacht habe, dass es Wurscht ist, ob Beeren oder Schoki … wenn DU es ihnen bringst, wird das eh der Knaller sein! (so ähnlich in der Wirkung wie die lecker riechenede Busgelddame 🙂

    Liebe Grüße von Ellen

    • Peter schreibt:

      Hallo Lila,
      Ellen hat vermutlich Recht: erst werden sie Deinen Kuchen lieben (fast egal welchen, wobei Schocki schon sehr fein ist), dann Dich – wir Männer sind einfach.
      Viel Erfolg
      Peter

  6. Pingback: Blaubeermuffins « Madame Lila

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