Fühlen

Hitzefrei

Du sitzt auf diesen Plastikstuhl, der dir hässliche Abdrücke deine Beine pressen wird, vor deinem Lieblingsbistro. Draussen, weil die Hitze drinnen unerträglich ist. Dein Gegenüber klimpert beim Trinken mit den Eiswürfeln im Glas und du stellst dir vor wie es wäre, wenn du dort hineintauchen könntest. Mitten hinein zwischen die Eisberge .
Du ziehst müde deine Füsse aus deinen FlipFlops und siehst schweigend den schönen Mädels zu, wie sie  über das Kopfsteinpflaster der Gasse spazieren. Sie tragen nichts und ein bisschen Stoff darüber.
Gebräunte Beine, die wohl kürzlich noch am Meer gewesen sind.

Die Luft ist so dick und warm, dass du nur noch flach atmest und du spürst, wie sich in deinem Nacken Wasserperlen treffen, die langsam eine Kette bilden, die deine Wirbelsäule herunter rollt.
Du versuchst nichts zu tun, schon gar nicht dich zu bewegen. Weil jede Bewegung die gefühlte Temperatur noch erhöht und du dich fragst, wann die Eiweissmoleküle in deinem Körper anfangen zu schmelzen. Oder zu platzen. Oder beides.

Du redest dir ein, dass die Hitze nur ein momentaner Zustand ist, nichts bleibendes. Und du Morgen früh barfuss durch das Tau der Wiese spazieren kannst, wenn du willst. Zur Abkühlung.

Irgendjemand hat heute gesagt, es werde abends regnen.

Dein Gegenüber erzählt etwas, worüber du lachen musst und zwei Tische weiter vorne flirtet ein Mann mit schönem Haar mit einer zierlichen Frau. Du kannst nur ihren Rücken sehen: Sie beugt sich immer weiter über den Tisch auf den Mann zu.

(Ich kann sehen, dass sie lächelt. Doch. Das geht. Ich sehe die sanfte Vibration ihres Rücken)

Als der erste Regentropfen auf das Kopfsteinpflaster fällt,passiert gleichzeitig folgendes:

– Der Schöne greift mutig nach den Händen der Frau und grinst.
– Der traurige Mann am anderen Tisch, der alleine sitzt, nimmt einen Schluck von seinem Bier und lässt seinen Blick betrübt zum Himmel gleiten
– Drei Mädchen lachen und ziehen sich, in Erwartung einer grösseren Flut, ihre Schuhe aus und rennen weg
– Die Bedienung trägt eine Salatschüssel zum Tisch mit den drei Frauen . (Es riecht nach Knoblauch)
– Im Restaurant weiter unten schieben sie ein paar Tische unter das schützende Dach des Hauses.
– Ich sage: Wenn es jetzt richtig anfängt zu regnen, ziehe ich mein Kleid aus und tanze nackt durch die Strasse
– Ich sage: Schau ! Es regnet. Du hast die Wette gewonnen.

Dann lacht ihr, dein Gegenüber und du. . Und das ist gut so. Auch dass die Hitze euch zwei, die ihr so lebhaft seid und ständig in Bewegung, zur Langsamkeit zwingt.

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4 Gedanken zu “Hitzefrei

  1. du hattest den besseren ausblick als ich, stelle ich fest. ich sah nur die grauhaarigen frauen hinter dir und der einsame traurige. ich teile gerne mit dir, doch ich ziehe es vor, dass du nicht in meinem tinto de verano badest.

    • Du hast das Liebespaar nicht gesehen ? Konntest du auch nicht. Die waren hinter dir…

      Das nächste Mal teilen wir : Deine Eiswürfel gegen meine Sicht der Dinge 😉

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