Fühlen, Leben, Lieben

Born to be wild

Wir waren jung, wild und frei. Und wir hatten keine Angst, weil Angst nicht in unser Vokabular gehörte: Wir hatten einander und den Glauben, dass alles möglich und machbar ist, wenn man tut. Es einfach probiert und wieder probiert, bis es gelingt.

Dieses Gefühl wuchs damals aus dem geteilten Wir: Unsere Freundschaft war wie eine kleine, zerzauste, hungrige Katze die einem über den Weg läuft. Der man über das Fell streichelt, sie von einer Hand zur anderen vorsichtig reicht, wie etwas ganz zerbrechliches. Der man womöglich etwas Milch gibt, und die einem dann einfach nach läuft.
Wir teilten alles. Unsere Gedanken, die wir einander an langen Abenden am See erzählten. (Sogar die Ideen, über die wir in unserem Inneren fürchteten, dass andere darüber lachen. ) Teilten die müden  Tage an der Sonne, an denen wir unter den schattigen Bäumen auf dem Rücken lagen und dem entfernten Kinderlachen aus der öffentlichen Badeanstalt lauschten bis einer fragte: „Ins Wasser ?“
Verbrachten viele Wochenende in einem Haus in den Bergen, (das Haus war mal ein Stall. Der Vater von C. hat es mit seinen Söhnen zu einem einfachen Haus umgebaut), wir drehten die Zigaretten selbst , tranken zuviel Wein und schliefen alle aneinandergekuschelt auf ein paar Matratzen auf dem Boden, die wir zu diesem Zweck zusammen geschoben hatten.

(Im Winter, wenn viel Schnee lag, war es dort trotz Feuer im Kamin so kalt, dass wir auch aus zweckmässigen Gründen ganz nahe beieinander schliefen, aussen immer die Jungs, um nicht zu frieren. )

Ich schnitt den Jungs die Haare. Allen. Dafür zogen sie die Schrauben an meinem alten Mofa an, fingen Spinnen in Räumen ein, vor denen ich mich fürchtete, und trugen sie („Nicht umbringen! Bitte !“) nach draussen.

Und waren einfach die besten Kumpels, die es gab.
Auf der ganzen Welt gab es keine besseren. Da war ich mir sicher.
Und wir würden unser Leben lang die beste Truppe bleiben, die es je gegeben hatte. Für immer.

Die kleine Katze wurde gross und erweiterte ihren Radius um die Welt zu entdecken. Sie blieb immer mal wieder weg. Bis sie eines Tages nicht mehr zurück kam: Wir liebten einander, jeder den anderen. Und trotzdem verloren wir uns aus den Augen. Wir liessen die Schnur los, die uns verband.

Aber immer, wenn ich diesen Song im Autoradio höre,wo immer ich mich gerade befinde,  erinnere ich mich an die Zeit.
In diesem Moment habe ich Angst vor gar nichts, ausser ein bisschen vor Spinnen.

Und ich bin dankbar für die Fürsorge, die uns verband, die Liebe, das Lachen und nicht zuletzt dankbar für die geteilten Erfahrungen. Sie haben mich zu dem Menschen wachsen lassen, den ich heute bin.

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Ein Gedanke zu “Born to be wild

  1. Sofasophia schreibt:

    wie ich diesen song liebe! ich muss immer fast weinen, wenn ich ihn höre – wohliges glückliches weinen.
    danke auch für diesen tollen glücklichen text!

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