Lieben, Menschen

Happy day

Ich war wütend und wollte es bleiben. Hatte an diesem Morgen die unbändige Lust, alle Steine, die mir im Weg waren, mit einem gezielten Kick  aus der Erdumlaufbahn ins Universum zu kicken und dabei laut zu schreien.
Wollte mich an Bäume klammern und sie so durchschütteln, dass sie alle ihre Blätter auf einmal verlieren. Oder, wäre ich in meiner Wut in einem Haus gewesen, alle Türen zu so knallen, dass man es in der ganzen Stadt hätte hören können.
Ich zog vieles in Betracht, durch meine Wutbrille, was ich hätte tun können, damit es mir besser geht.
Die Konsequenzen wären allerdings fatal gewesen und meine Erziehung liess mich grummelnd die geplante Aktivität im Keim ersticken.

Der Grund, der mich so wütend machte, war  ein nichtiger und ist es nicht wert, dass ich ihn erkläre.

Noch immer innerlich sehr angespannt ging ich in ein Cafe in meiner Lieblingsstadt: Ich hatte gerade Pause in der Hoffnung, das Koffein würde mir gut tun. Es war ziemlich früh, ich erwischte noch die letzte Tageszeitung und vergrub mein Gesicht dahinter.

Der Mann, der sich zu mir an den Tisch setzte, nahm ich nur unwirklich wahr. Ich, die keine Angst vor neuen Kontakten hat und sogar mit Katzen redet, war an diesem Morgen nicht mal zu einem ‚Grüezi‘ bereit. Nein. Nichts. Nur meine Ruhe.

Er starrte mich an. Ich konnte das spüren und nach einer Weile lag nicht mal ignorieren mehr drin. Nur schon dieses Tatsache heizte mein noch latent brodelndes Feuer im Bauch auf. Ich legte die Zeitung auf den Tisch, schaute dem fremden Gegenüber in die Augen und fragte: „Warten sie auf die Zeitung ??“
„Nein.“ Erwiderte er ruhig und wandte den Blick nicht weg von mir.
„Nun, „sagte ich “ ich dachte mir nur, weil sie mich so anstarren !“

Bumm. Ich schoss scharf und war bereit für eine Auseinandersetzung. Der Mann würde mein Stein sein, den ich trete, der Baum, den ich schüttle und würde meine Türe sein, die ich laut ins Schloss fallen lasse.
Oh ja.
Ich war bereit.

Er sage: „Wenn ich sie anstarre, dann nur, weil ich nicht anders kann“
(Ruhige, nette Stimme. Er lächelt, als er das sagt. Ich lasse mich nicht täuschen: Der Teufel hat viele Gesichter.)
„Ach ?! “
„Ja. Sie sind schön !“
„?!“
„Ja. Das wollte ich ihnen sagen“

Ich spürte diese Wärme, die einem unangenehm den Hals hoch kriecht und bald das Gesicht überziehen wird. (Früher dachte ich immer, dass man nicht mehr Rot aus Verlegenheit wird, wenn man erwachsen ist. Das stimmt nicht !)

„Ich habe…“sagte ich etwas versöhnlicher,“…diesen Tag ganz schlecht gestartet. Ihre Worte tun mir gut. Danke“

Er sass mir noch immer gegenüber. Alle anderen Tische waren inzwischen besetzt. Man trank Kaffee, las Zeitung, versuchte zu erwachen oder war schon wieder müde. Alles ging seinen gewöhnlichen Lauf. Doch unser Tisch, der vom Fremden und mir, wurde zu einem kleinen, eigenen Universum. Eine spezielle Insel im trägen Morgenalltag des Bistro.

„Sie haben in jedem Augenblick ihres Tages die Möglichkeit, einen schlechten Tag zu einem wundervollen zu machen..“
Sagte er .
„Ich weiss.“
Ich dachte eine Weile still nach. Verlor mich einen Augenblick in der Betrachtung des Mannes, der auf eine besondere Weise attraktiv war in diesem Raum-Zeitkontinuum, das uns umgab.

„Sie haben meinen Tag zu einem wundervollen gemacht. “
Sagte ich.
Und legte das Geld für den Kaffee auf den Tisch und ging.

Ich habe an diesem Tag, gestern, keinen einzigen Stein getreten. Habe keine Bäume geschüttelt und die Türen schlossen sich leise .
Und ich habe andere Menschen glücklich gemacht, glaube ich.

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Ein Gedanke zu “Happy day

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