Fühlen, Menschen

Die Bienenkönigin

Ich habe mal eine kennengelernt, eine Bienenkönigin.

Sie hat mir im Laufe der Zeit ein paar Geheimnisse um die Biene erzählt: Beispielsweise dass nur die weiblichen Bienen stechen können und man es hören kann, wenn es um einen herum ganz leise ist,
wenn die männliche Drohne die junge Königin in der Luft begattet und am Ende des Liebesaktes der Penis abbricht. Dieses leise Knack des Brechens sei etwa so, wie wenn ein dürrer Ast abbreche.

Die Drohne segle dann tot zu Boden. Schliesslich, meinte sie, habe sie ihre Aufgabe erfüllt und sei zu nichts mehr nutze.

Sie war eine Frau mit einem speziellen Charakter: Oft schlecht gelaunt, mit Worten bissig und zuweilen gar ablehnend was alles betraf, was wir von der Pflege zu ihrem Wohl geplant hatten. Eine Verweigerin, die nur das machte, was ihr passte. Ich mochte sie. Weil sie ehrlich und authentisch war.

Ihr Leben spielte sich in dem kleinen Haus am See ab, drüben am anderen Ende. Ihr Mann starb kurz nach der Geburt des dritten, gemeinsamen Kindes und fortan blieb sie alleine. Sie bewirtschaftete den kleinen Hof mit zwei Kühen, ein paar Hühner, dem Gemüsegarten und dem kleinen Wald.
Vermögen hatte sie keines. So machte sie im Laufe der Jahre zu Geld, was irgendwie ging.

Dann kamen die Bienen.
Ich konnte sie kommen hören, erzählte sie mir, von dort drüben am Ende des See. Es war ein tiefes Brummen, wie von einem Flugzeug, nur noch tiefer . Da ging ich runter um zu sehen, was da über den See flog und ich entdeckte die grosse Kugel.

Es war ein wilder Stamm Bienen, die sich schützend um die Königin sammelten, der sich offenbar auf zu neuen Ufern machte. Sie flogen gemächlich über den See auf den Wald zu, um sich dort auf einer alten Tanne auszuruhen.
Während die Frau sich mit einer Kiste, alten Zeitungen und einem groben Tuch aufmachte, um das Bienenvolk zu adoptieren.

Fortan verkaufte sie Honig. Sie eignete sich das Wissen als Imkerin  selber an und fuhr einmal wöchentlich an den Markt in die Stadt, um den Honig in Gläsern den besseren Leuten, den Reichen zu verkaufen
Auf dieses zusätzliche Einkommen war sie dringend angewiesen, den sie hatte trotz diversen Angeboten von ledigen oder verwitweten Männern im Dorf, beschlossen, dass sie sich nie mehr einen Mann ins Haus holt.


Ihrem Vorsatz blieb sie treu. Was sie in der Dorfgemeinschaft unbeliebt machte: Man passte sich an und eine Frau hatte zu heiraten. Basta. Ausserdem sei sie ein richtiges Mannsweib gewesen. Eine, die den Stall ausmistet, nur grobe Hosen trägt und mit Bienen redet, die kann doch nicht ganz richtig im Kopf sein. Und wenn sie dann noch Männer abweist, die ihr auf dem Hof zur Seite stehen würden, dann war die Situation klar: Die spinnt. Aber richtig.


Sie erzählte mir ihre Geschichte Stück für Stück. Dann, wenn ihr danach war. Ich war eine geduldige Zuhörerin die ihre Erzählungen sorgsam in die  Geschichtenkiste legte.
Bevor sie starb sagte sie mit einem Augenzwinkern, dass ich mich mit den Bienen gut stellen soll.
Man wisse ja nie, ob man wieder komme und in welcher Form.

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6 Gedanken zu “Die Bienenkönigin

    • Ja !
      So muss sich der Flug der Bienen angehört haben 🙂

      (Danke Mösiö. Sie sind, wenn ich so sagen darf, auch ein Schatz)

      Wobei mir diese Version doch besser gefällt:

  1. oh, das ist ja wunderbar. ja, sich mit den honigbienen gut zu stellen, ist überhaupt sehr wichtig. wenn ich an das weltweite bienensterben denke und dass von den bienen 2/3 unserer nahrung abhängt, wird mir manchmal bang.
    deine alte dame hatte den durchblick. sie macht mut, sich selbst treu zu sein. chapeau!

    ach, und dies noch: schön erzählt ist sie, deine geschichte 🙂

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