Schreiben

Moderne Cowboys

Sie fuhr zu diesem Kaffee, das woanders Bistro heissen würde, und setzte sich an den langen Eichenholztisch am Ende des Raumes. Klappte ihren Laptop auf, freute sich auf das Schreiben. Wenn ihr zuhause die Decke auf den Kopf fiel, das Geschnatter der Gänse in ihrem Kopf zu laut wurden, verzog sie sich dorthin. Man kannte sie dort und liess sie in Ruhe. Sie schrieb am siebten Kapitel, als sich ein älteres Ehepaar, sie sichtbar auf der Suche nach einer Toilette, zu ihr setzten. Tranken zwei Espressi und waren innert kürze wieder weg:“Ade. Schönen Tag noch. “ „Ja. Danke. Gleichfalls.“

Sie schrieb weiter, tippte Buchstaben um Buchstaben ein. Verlor sich zwischendurch in der Betrachtung der schönen Serviererin und der Frau am anderen Tisch, deren nervöse Ticks sie daran hinderten, ihren Tee entspannt zu geniessen. Dann kam er durch den Vorhang mit der Selbstsicherheit eines Mannes, der sich seiner Wirkung auf Frauen sicher ist.

Zum Verständnis ist es wichtig zu wissen, dass der Mann, von dem hier und in den folgenden Zeilen die Rede sein wird, tatsächlich durch einen Vorhang das Bistro betritt. Der Vorhang nämlich, der zum Schutz vor der Kälte an der Türe angebracht ist. was der ganzen Situation noch die passende Dramatik verleiht. Er durchschritt den Raum, wohl wissend dass sämtliche Augen auf ihn gerichtet waren, gemässigten Schrittes. Keine Eile. Im Gegenteil. (Der Vergleich mit einem Cowboy aus einem alten Western, der durch die sandige Strasse eines Städtchens marschiert,hinter huntert Fenstern von hundert Augen beobachtet,  drängt sich auf.) Um die Spannung zu durchbrechen folgendes: Er setzte sich (Darf ich ? Dankeschön.) neben sie. Die genau in diesem Moment den Faden in ihrer Erzählung verlor. Weg ist sie, die französische Wirtin, deren grosszügige Zuneigung für ihre Gäste fast aus dem Dekollete fällt. Weg ist auch der Name der Brasserie, von der sie schrieb und der Name der Stadt fällt ihr auch nicht mehr ein. Alles weg.
Also tranken sie gemeinsam Kaffee, nebeneinander wie alte Freunde. Während sie irgendwelchen Quatsch tippte, das der Mann neben ihr immer wieder auf dem Display zu lesen versuchte. (Sie wird zuhause alles löschen, was sie diese halbe Stunde geschrieben hat. Ohne es nochmals zu lesen)

Brisant wurde es, als zwei Bekannte ihn entdeckten, die Freude war einseitig, sie sich zum ihm setzten und ihn dazu zwangen, mit ihr auf Tuchfühlung zu gehen. Tschuldigung. Beim folgenden Gespräch, drehte er sich darum, warum er seine Freundin verlassen hat und was er denn jetzt so plane, als Single. (Sie schrieb nicht mehr. Nicht mal mehr Unsinn.Und beschloss zu gehen. ) Natürlich wird, weil er das gleiche zur gleichen Zeit auch tut, ein Stuhl umfallen. (Ihrer). Während er mit einem Schuh auf ihren Schal tritt, den sie sich umhängen will und sie sich nur mit einem gezielten Griff zu einem Stuhl, seinem, rettet. Womöglich wäre sie sonst vor aller Augen, die Aufmerksamkeit der Gäste hatten sie längst, flach vor den Tresen gefallen. Vielleicht zusammen mit ihm, der sie hätte aufhalten wollen.

Zuhause wird sie ihrem Lieblingsmenschen eine sms schreiben: Ich vermisse dich. Wann kommst du ?

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