Befindlichkeiten

Laut und leise

Sie werfen sich Schneebälle zu, die sie mit ihren dick eingepackten Händen zu Kugeln rollen, bevor sie werfen. Sie verfehlen ihr Ziel fast immer. Dabei lachen sie, laut und kichernd. Manchmal fallen sie um, einfach so, weil das Fallen in den Schnee immer weich ist. Vielleicht ein bisschen wie das Fallen in Wolken hinein. Sie rennen zu dritt hinter dem grossen Mädchen her, dem mit der lustigen Bommelmütze, und versuchen gemeinsam, sie um zu stossen, in dem sie diese an den Beinen ziehen. Das kleinste unter ihnen hält ein Junge an den Händen und führt es, weil es alleine noch nicht laufen kann. Irgendwann fallen alle lachend um. Sie liegen wie ein grosser Haufen aus Beinen, Armen und Körpern auf der Schneewiese. Ihre Lebenslust ist so befreiend und ansteckend. Ich kann ihr Lachen hören, laut und gar nicht leise.

Gerade eben ist ein Mensch gestorben. Vielleicht hat er das Lachen draussen noch gehört. Er starb leise und gewollt. (Leise sterben ist gut.Bei sich sein.Aufhören zu kämpfen.Loslassen.Das ist nicht laut, dieser Prozess am Ende. Friede in sich selbst finden ist ruhevoll.)

Ich denke, man hat immer die Wahl. Ob man laut sein will, oder leise. Ob man die Taubheit im eigenen Körper pflegen will, zeitlebens schon tot sein, oder sich in den Schnee legen will. Wie früher. Und dabei den eigenen Puls laut klopfen hören. Und lachen, nicht vergessen zu lachen.

Laut sein ist in diesem Fall immer noch besser, als leise zu flüstern. Hinter vorgehaltener Hand. Statt einander in die Augen zu sehen, und laut zu sagen, was man denkt. Bevor man einander Schneebälle zuwirft. Vielleicht sollten wir öfters den Kindern zusehen, wie die das machen: Laut sein können sie. Wenn wir sie lassen und ihnen das nicht verbieten.

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3 Gedanken zu “Laut und leise

  1. laut und leise – alles zu seiner zeit. wenn kinder auf diese unschuldige art laut sind mag ich es sehr. mit dem „randalierenden“, destruktiven lautsein hab ich aber mühe – ob nun bei grossen oder kleinen menschen, ebenso mit dem „falschen“ (ver)schweigen, dem verdrängen ähnlich. aber so, wie du es schreibst, ist beides wohltuend.

    liebgrüss soso

    • Ich glaube, liebe D., du hast schon verstanden, was ich meine. Mir fehlt halt auch im lauten das ehrliche. Häufig wird leise geflüstert. Da habe ich die lauten Worte lieber: Hart, direkt und so, dass man auch darüber reden kann.

      Und ich schätze das Destruktive auch nicht, gar nicht. Wobei ich zugeben muss, dass die meisten Jugendlichen, die ich kenne (es sind richtig viele) nicht so sind.

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