Fühlen

Elf

türe

Ich weiss nicht, wo die Farben hin verschwinden, wenn sie nicht mehr zu sehen sind. Seit Wochen trage ich offenbar eine Milchglasbrille auf der Nase, welche alle Farben dämpfen, die hier sein sollten. Dieses weiss des Winters, dieses dumpfe Kolorit, diese Schattierungen, erinnern mich an die Filme aus meiner Kindheit. Als es noch keine Couleur für die Filme gab.

Ich sage immer: Mir macht der Winter nichts aus. Ich bin mitten im Winter geboren, ich bin das gewohnt. Aber es stimmt nicht. Es macht mir etwas aus.

Ich will eine Explosion von Farben um mich herum, ich möchte mitten hinein springen, mit einem lauten Schrei. Hätte Lust, meine Hände in grosse Farbkübel zu tauchen bis zum Ellenbogen hinein, und der Welt wieder die Farbe zurück zu geben, indem ich mit den Händen alles wieder bunt mache.
Und ich möchte lachende Menschen um mich herum haben, solche die laut miteinander reden und nicht eingemummelt sind in dicke Schals und Mützen, die seufzend die Nase hochziehen und grummelnd über die Kälte jammern.

Ich möchte draussen sitzen können und schreiben. Mein Gesicht in einen warmen Wind halten. Und ich möchte Küsse verteilen unter einer richtig warmen Sonne.

Er sagt:“ Hab Geduld. Nur noch elf Tage.Dann sind wir dort.

Wie lange sind elf Tage ?
(15840 Minuten. Viel zu lange noch.)

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6 Gedanken zu “Elf

    • Ich werde mich vollsaugen mit den Farben. Bis ich satt bin. Und ich werde schwelgen in der Kultur dort.
      Hunderttausend Geschichten sehen. Und heim bringen. Und den Menschen zuhören, und mal wieder französisch reden ❤

  1. „ich möchte Küsse verteilen unter einer richtig warmen Sonne“ *seufz* Ohhh ja, das will ich auch. Und wieder in mein Open Office im Garten ziehen. Und lustige Grillabende in kurzen Röcken und Hosen erleben… Und im Liegestuhl lesen und eindösen. Ohhh ja, und wie ich das will *seufz*

  2. jessn schreibt:

    Während ich Deinen Text gelesen hab, hab ich mir überlegt, wie sehr mir die weisse Pracht des Winters am Herzen liegt, diese Ruhe, Friedlichkeit, keine Hektik wie im Sommer, wo alles wild durcheinander schnattert. Geruhsame Spaziergänge im gedämpften Umfeld. Ich lieb das wirklich. Und dann….hab ich das „dort“ geklickt und es hat mich umgehauen!!!! So viel Wärme, schöne Farben, die (mir leider noch) unbekannte Kultur…. und ich hab über mich gelacht und gleich wieder nach draussen geschaut und weiss jetzt: ich brauch beides!

    • Beides. Du hast recht. Beides braucht es. Mir scheint nur, der Winter hat seinen Job gut gemacht. Jetzt reicht es. Gut ists. Blumen müssen her und Farben und Düfte.
      Aber: Wie schön ist dann wieder der kuschlige Herbst, mit den fliegenden Blätter, den Kerzen und Abenden im Sessel, mit dem Lieblingsbuch…

      Ich würde die Jahreszeiten vermissen.

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