Befindlichkeiten, Fühlen

3 Tage versus 3 Minuten

Wenn ich nach Hause komme und ein Paket im Briefkasten vorfinde, passiert  folgendes:

  • Ich renne die Treppe zur Wohnung hoch
  • Stolpere über die Katze, die mit meiner ungewohnten Hektik nicht umgehen kann
  • Ich falle nicht um ! Weil ich Katze schon lange kenne
  • Ich reisse die Türe auf
  • Lasse die Tasche fallen
  • Wühle in der Küchenschublade nach einem passenden Messer
  • Ich ersteche, zerfleddere und massakriere das Paket so, weil es sich als störrisch aufweist, bis es tot ist und sich öffnen lässt.

Dann freue ich mich über den Inhalt. Immer.
Zugegeben: Meine Methode ist zwar effizient, aber nicht sehr ladylike.
Warum ich diese Banalität aus meinem Leben erzähle ? Nun, dass es anders geht, beweist der erwachsene Sohn einer Freundin:
Er nimmt das Paket entgegen und stellt es mitten auf den Tisch in seiner Wohnung. Dann wäscht er sich die Hände. Anschliessend beobachtet er das Paket präzis drei Tage lang und gibt sorgfältig acht, dass es nicht berührt wird.
Am dritten Tag, und erst dann, öffnet er das Paket sehr sorgfältig. So, als würde er etwas sehr schönes oder gefährliches öffnen.

Er braucht diese drei Tage, um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Und um darauf adäquat reagieren zu können.

Seine drei Tage Anpassung sind bei mir drei Minuten. Höchstens. Manchmal schaffe ich es auch in zwei Minuten zu den Waffen um an das Innere zu gelangen. Gut sind die Menschen verschieden.

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2 Gedanken zu “3 Tage versus 3 Minuten

  1. ich bin da irgendwo dazwschen. ein bisschen mehr wohl wie der beschriebene sohn. nur dass es nicht ganz drei tage dauert bei mir. aber erst mal anschauen. geniessen, fotografieren (pakete bekomm ich meist vom liebsten). dann genüsslich und langsam und sorgfältig auspacken .. das papier falten und weglegen, bevor es zum kern geht.
    man mag das masochistisch nennen, aber ich nähere mich gerne laaaangsam dem finale … das ich dann umso mehr geniessen kann (ich esse auch so, also langsam, aber daraus nun auf mein liebesleben zu schliessen, wäre falsch …).
    und bei dir? *zwinker* ähm, rückschlüsse aufs essen meine ich … natürlich …

    witziger text …

    • *lach
      Du hast mich erwischt: Ich schloss aus deinem Text auf dein Liebesleben. Ich gebe es zu.
      Ich würde gerne meine Pakete sinnlichlangsambedächtig öffnen, wie du. Aber ich kann nicht. Mein inneres, ungeduldiges Kind bricht dann ungestüm durch.

      Allerdings geniesse ich das Essen, die Gespräche, den Wein. Ich bin immer die letzte, die mit dem Essen fertig ist. Und ich ende immer mit einem Bissen vom Köstlichsten, was auf dem Teller lag. Als Finish sozusagen. Hierbei ähneln wir uns. Und in der Auswahl der Speisen, bei der keine toten Tiere vorkommen. Lebendige auch nicht.

      Gruess !

      D.

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