Schreiben

Die Katze

Die Katze liegt eingerollt auf der dicken Decke, die natürlich auf dem eigens für sie bereit gestellten Stuhl zu ihrer Bequemlichkeit gelegt wurde. Und die Katze folgt einzig ihrer Berufung als Katze, indem sie vor sich döst. Gelegentlich ihr catlinkes Auge ein kleines bisschen öffnet, gerade so viel, dass sie sehen kann, was um sie herum passiert. Mehr nicht. Was ihr ein etwas arrogantes Aussehen verleiht, so mit dem einen, halb zusammengekniffenen Auge.

Oder, als würde sie mir zu zwinkern.

Jemand, ich vermute die Besitzerin der Katze, (ich sehe den aufmerksamen Leser_in hier schon leicht zusammen zucken und leise sagen: „Katzen haben keine Besitzer, höchstens Personal“. Diese Ansicht teile ich. Um die Geschichte aber rund und verständlich zu gestalten,  sei mir dieser kleine faux-pas verziehen.) die Besitzerin der Katze hat also den Stuhl mit der Decke hinter die Terrassentüre gestellt. Um der Katze einen freien Blick in den Garten zu ermöglichen.
Da sie fast ausschliesslich schläft, geniesst sie den Blick auf die zahlreichen Vögel im dortigen Garten wohl eher träumend.
Bitte ? Die Katze könnte genauso gut ein Kater sein und ich diskreminiere mit der vermuteten Gattung des Tieres die Hälfte der Bevölkerung.
Meinetwegen. Dann sei es halt so. Es ist kein Kater, sondern eine Katze und ja, es ist bloss eine Vermutung. Also bitte.
Ich kann auch aufhören zu erzählen ! Nein. Gut.

Das Haus der Katze ist das dritte in einer geraden Reihe von kleinen Häusern, die alle einen genauso schönen, akkuraten und gepflegten Garten haben. Ein bisschen sehen alle sechs Häuser wie Zwillinge (Sechslinge ?) aus: Beinahe Identische, kleine Fassaden. Was sie unterscheidet, ist die Farbe der Mauern. Auf dem Briefkasten steht:Willy M.
Hier wohnt aber seit Jahren kein Willy mehr. Man hat mir erzählt, dass er gestorben ist. (Furchtbare Geschichte. Er war noch so jung, knappe zwei Jahre vor seinem 80. Geburtstag.) Im dritten Haus, drüben am Ende des Dorfes, kurz vor den Feldern und dem Bach, lebt also die Katze alleine.
Mit ihrer Besitzerin, vermute ich. Gezeigt hat sich bisher nur eben jene Katze: Die dick eingerollt auf ihrer Decke den Tag verschläft.
Gestern stand vor dem Haus ein blaues Auto, das in schrillen Farben Werbung für eine mobile Fusspflege macht. Lässt Katze sich die Nägel manicuren ?

Als ich heute, gemeinsam mit meinem Wolf, den versöhnlichen Anblick der schläfrigen Katze geniessen konnte, fror ich, trotz Mütze, heftig. Meine Finger waren eiskalt, kaum spürbar und meine Nasenspitze nur noch eine rote Eiskugel. Und das erste Mal beneidete ich das Tier um ihr warmes Gefängnis, um Ihre Situation gewann für mich an Begehrlichkeit.
Also kniff ich meine Augen feindlich etwas zu, hypnotisierte sie eine Weile, in der Hoffnung, dass sie den Platz für mich frei macht. „Bitte sehr. Setzen Sie sich doch ! Ich habe genug geschlafen: Rollen Sie sich an meiner Stelle ein und dösen Sie ! Meinetwegen bis zum nächsten Frühling, tun Sie das. Bitte.“

Das tat sie nicht. Durchaus nicht. Aber sie gähnte kurz in meine Richtung, legte den Kopf anschliessend wieder auf ihre Pfoten. Bevor sie das tat, zwinkerte sie mir noch kurz zu: Diesmal lag etwas schauerliches in ihrem Blick, diabolisch schaute sie. Nicht anders. Überheblich und sehr wissend !

Und ich bin sicher: Sie konnte meine frostklirrenden Gedanken lesen.

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Ein Gedanke zu “Die Katze

  1. Köstlich. Katzenpersonal…Ja so ist es wohl. Ich weiß nicht , wie oft ich in meinem Leben beim Anblick einer dösenden Katze gedacht habe “ Katze müsste man sein…“

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