Schreiben

Angekommen

Zürich Flughafen. Sonntag 21.00. 
Du stehst da. Lässt dich von den Menschenmassen umfliessen, die es alle eilig haben. Wie eine Boje stehst du da und starrst auf das grosse Display über dir, das die Flüge ankündigt. Das Geräusch der Rollkoffer, sie schrummen über den glatten Boden.
Da vorne steht ein Mann mit einer Rose in der Hand, zu seinen Füssen zittert aufgeregt ein Dackel. Er hat einen glitzernden Kleber auf seiner Stirn: Ein Herz. Wirklich, ein Herz.
Wenn die Türe aus Glas sich teilt, geraten die Wartenden noch mehr in Aufruhr. Sie schieben sich gegenseitig weg, um besser sehen zu können: Kommen sie endlich? Da! Sind sie da? Nein. Das sind sie nicht. Aber dort, schau, dort!

Du hast deinen Chai Latte ausgetrunken, den dir die schöne Kellnerin serviert aus. (Aus Barbados kommt sie. Wo liegt Barbados? Schau: Da irgendwo. Weit weg)
Die Menschen, die vom Flugzeug ausgespuckt wurden, kommen aus dem Süden. Kommen vom Sommer, der hier kaum statt fand. Sie sind braun, tragen kurze Hosen und ein breites Lächeln.

Eine Oma fotografiert ungeschickt ihre Enkelin mit dem iphone. Während der langen Zeit, die sich braucht, um das Bild zu fokussieren, lächelt die hübsche Enkelin professionell.

Du kannst sie plötzlich kommen sehen, sie sticht ihrer Schönheit wegen aus der Masse. Ihr blondes Haar leuchtet, ihr Lachen reicht von einem Ohr zum anderen. Sie hüpft auf dich zu, von einem Bein auf das andere. Ungeduldig. Wenn du sie siehst, fallen all deine Gefühle von deinem Herzen direkt in den Bauch. Dort tummeln sie sich und feiern eine Party. Du weisst als Einzige  um ihre grünen Augen, in denen goldenen Inseln schwimmen. Erinnerst dich wie sie roch, als sie geboren wurde. Weisst um ihr LIeblingsspielzeug, um ihre Lieblingsbücher. Kennst noch immer den Namen ihres besten Freundes aus der Schulzeit. Weisst um ihr Lieblingsgericht. Spürst ihr Herz, auch wenn sie weit weg auf einer Insel weilt.
Dann steht sie vor dir, umarmt dich fest, Du sie auch.
Alles ist gut.

Der Dackel ist mit dem Rosenmann bei einer Frau gelandet, die vor Glück bei der Ankunft weint, als sie ihn sieht.

Ich mag Flughäfen. Zum abheben genauso, wie um Menschen ab zu holen, die man liebt.

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4 Gedanken zu “Angekommen

    • Ja. Ich auch.
      Und Autobahnraststätten.

      Dort sass ich früher oft und schaute den Autos zu, wie sie kamen und gingen. Oder wessen Autonummer den weitesten Weg aufwies…

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