Schreiben

Von Deutschen, Franzosen und einer Krone

Der letzte Tag meiner Ferien ist heute über mich her gefallen. Ab Morgen ziehe ich wieder morgens meine weisse Schürze an und renne in einem anderen Haus die Treppe hoch. Und wieder runter. Insgesamt um die acht Kilometer mache ich so. Täglich.

Ich habe es mir zehn Tage richtig gut gehen lassen.Meine Zeit mass ich in den Seiten des Buches, das ich las.Oder den geschriebenen Wörtern in meinem Script. Ich wurde bekocht, massiert, verwöhnt und man brachte mir so viel Aufmerksamkeit entgegen, dass ich meine Krone vermisse. Jetzt, im  Alltag. Es war keine glänzende Krone aus Metall, eher gestrickte aus Wolle in bunten Farben. Mit ein paar Federn drin und farbigem Laub.
(Ist jemand von euch in dieser Richtung kreativ tätig? Bitte das fertige Werk an Madame Lila, Schweiz, senden.)

In diesen Tagen konnte ich neue Entdeckungen machen. Habe viel zugehört, aber auch geredet. Menschen im Hotel betrachten, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Mir Geschichten ausdenken. Aus der Ferne, in der Sprachlosigkeit, darüber sinnieren, ob man den Menschen ansieht, aus welchem Land sie kommen.
(Kann man. Definitiv. An der Art wie sie angezogen sind, sogar wie sie sich bewegen. Und ja, man kann sich täuschen dabei.)

Ich entdeckte eine kleine Stadt, mitten in dem schwarzen Wald von Deutschland. Wunderschön. Auf dem Marktplatz stand ein Denkmal, die Deutschen mögen Denk-Mal. Am Sockel war die Erinnerung angebracht, dass diese Stadt 1945 beinahe völlig von den Alliierten zerstört wurde. Sie haben alles neu aufgebaut, es so hergerichtet, dass ich mich von den Fassaden täuschen lies und es für ein altes Städtchen hielt.
Sie, die dort leben. Die hinter allen Substantiven ein winziges ‚e‘ hängen und dieses dann in die Länge ziehen.
Damit ich schmunzeln kann, weil ich das so süss finde. (Zugegeben.)
Sie sagen: „Was hätten Sie denn gerne? Ein Kännscheeee Kaffeeee ? Oder eine Tass?“
Die verschwenderisch benutzten Vokale, sparen sie unwillkürlich irgendwo ein.

Sie mögen die Franzosen nicht. Die von drüben, über der Grenze. Dort. (Man zeigt nach Westen.) Das sei eine alte Geschichte. (Ja. Die Alliierten.. Denke ich.) Aber sie mögen die Schweizer, die Netten. Die verdienen gut. Man sagt nicht: Die Reichen. Aber ich sehe ihnen an, dass sie daran denken.
Nicht bei mir, dazu ist mein Krönchen zu wenig glänzend, zu weitmaschig verwoben. Und mein Auto ist auf dem Parkplatz weitaus das älteste, billigste.

Schliesslich setze ich mich zu den Franzosen. Nicht aus Mitleid, sondern weil ich die Melodie ihrer Sprache liebe. Weil das für mich die Sprache ist, die ich als erstes sprach. Ich lege mich in den Teppich dieser Klangfarbe, bedecke mich mit dem Timbre und hülle mich für eine kurze Weile in die schöne Tonfolge.

Oh. Es waren wundervolle zehn Tage. Die nächsten Ferien werden erst im kommenden März sein.
Bis dahin trage ich meine Krone in Würde und unsichtbar. Ich hoffe, die Entspannung reicht bis im nächsten Frühling.
(Wird sie nicht.)

krone

Standard

2 Gedanken zu “Von Deutschen, Franzosen und einer Krone

  1. Klar sind die Schweizer beliebt bei uns! Das sind fröhliche und respektvolle Touristen, die einen netten Dialekt sprechen und ja, die großzügig Geld ausgeben wegen des günstigen Wechselkurses. Und weil die Restaurants bei uns vergleichsweise moderate Preise verlangen, die in der Schweiz sind ja jenseits von gut und böse.
    Schön, dass es dir in Deutschland gefallen hat. 🙂
    Ich wünsche dir einen guten Arbeitsstart morgen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s