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Paris oder nicht

„Ich habe Lust….“ Sagt er und ich denke: Ja. Ich auch.
Ich habe Lust darauf, heute Abend in Basel in den Nachtzug zu steigen. Das haben wir schon öfters gemacht. Früher. Meistens gelang es uns ganz knapp, den Zug noch zu erreichen, weil unsere Bahn zu spät an kam. Wir hetzten schliesslich mit unseren Rücksäcken, Koffer mit Rollen dran waren extrem uncool oder noch gar nicht erfunden, in den erstbesten Wagen hinein.
Die Erfahrung hatte uns gelehrt, dass man klug war, wenn man im Dezember zwei Schlafplätze reservierte. Wenn man nicht im Gang schlafen wollte. Was irgendwie cool war, aber auch doof: Man wollte Paris geniessen und nicht übermüdet durch die Stadt stolpern. Einmal im Wagon drin, mussten wir nur noch unsere Plätze finden. Zwei winzige Kajütenbetten in einem Viererabteil. In einem kleinen Verliess, das kaum grösser als 20 m2 war. Zwei Kinderbetten auf rumpelnden Räder.
Wir quetschen uns, „Pardon Madame“, „Excusez moi, Monsieur…“, „Non non.Ca va bien, Merci!“, an Familien und anderen Touris vorbei. Natürlich mussten wir zuerst in diesem einen winzigen Bett zusammen kuscheln. Bequem war es nicht, aber die Liebe stärker. Er oben, ich unten. Dann er unten, in seinem Bett, und ich oben.
Irgendjemand schnarchte immer in der Nacht. Übertönte damit das zufriedene Wummern der Schwellen. War lauter als das energische Klingeln bei Bahnübergängen. Vorbeiziehende Lichter, die hinter den geschlossenen Vorhängen anzeigten, dass mal wieder eine Stadt gestreift wurde. Dann wieder dunkel. Schwarz.

Einmal schlief ich, wobei…von Schlaf konnte keine Rede sein…in einem Abteil mit drei anderen Frauen. Sie waren Emigrantinnen und auf dem Weg zu ihren Männern. Sie haben die ganze Nacht geweint. Es ist mir heute noch ein Rätsel, ob sie vor Freude oder aus Trauer geweint haben.

Paris empfing uns immer etwas hektisch. Meistens war schlechtes Wetter. Ausser als wir mal im Sommer dort waren. Da war schön. Wegen des dichten Smog konnte ich keine brauchbaren Fotos machen. Es war auch ziemlich heiss. Und Hektisch. Aber das ist es dort immer.

Ein paar Tage später fuhren wir jeweils wieder heim. Über Basel zurück nach Luzern. „Das nächste Mal fahren wir woanders hin. Paris haben wir gesehen. Ich kann keine Sujets mit dem Eiffelturm mehr sehen, keine Mona Lisa mehr, nichts.“
Wir besuchten der Reihe nach alle grossen Städte.
Dann wieder Paris. Ich weiss auch nicht warum.

Schliesslich, als er kürzlich sagte: „Ich habe Lust…“ Packte ich in Gedanken meinen Koffer. Der mit den Rollen. Alles andere ist schlecht für den Rücken und cool sein will ich nicht mehr.
„Ja. Das ist eine gute Idee…!“
Er aber schloss mit den Worten …“….auf ein Racclette heute abend.“

Kunstvoll umsteigen: Die Bahnhöfe von Paris begeistern Nostalgike

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14 Gedanken zu “Paris oder nicht

    • Ich bin ja, zugegeben, eine ganz käsige. War ich schon immer. Gib mir Käse, und ich bin der glücklichste Mensch. Gib mir Paris dazu, Marrakesch oder Barcelona…Und ich bin nahe am Nirvana 😉

      • Kann ich nicht verstehen, ein Racelette ist doch viel gemütlicher und die Packerei bleibt Dir auch erspart. Stell doch einfach einen kleinen Eiffelturm neben den Racelette-Grill, dann fühlt es sich an wie Racelette IN Paris!! 🙂

        • Das werde ich demnächst tun. Ich meine…Würde ich ja machen, wenn ich könnte: Mir fehlt ein Eiffelturm, nicht mal einen winzigen habe ich, um ihn neben den Käse zu stellen.
          Nun. Ein Grund mehr um nach Paris zu fahren. 🙂
          Ich muss mir einen kleinen Eiffelturm holen, um ihn neben das Raclette zu stellen.

          Danke Daniela. Ich sehe, wir verstehen uns 🙂

          Gruss,

          die andere Daniela (-lle)

    • Ich bin so schlecht im Schätzen: Frag mich nie, wie viele Madarinen ungefähr in ein einem Korb sind oder wie lang eine Strecke war.
      Ich würde lügen. Weil ich nicht anders kann 😉

      Zahlen schreibt man aus. Da hast du natürlich Recht. Im Text sieht das wie eine Gleichung aus.Hässlich.

      Ab welchem Wert schreibst du Zahlen als Ziffern in Texten ?

  1. Ich habe mich neulich belehren lassen, man sollte Zahlen immer ausschreiben. Davor hätte ich 20 auch als Zahl geschrieben, aber ich muss sagen, ausgeschrieben sieht zwanzig wesentlich besser aus.

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