Bücher, Leben, Schreiben

Von Endstationen und dem Schreiben

Es ist schon wieder Dezember geworden. Vor zwei Wochen war ich noch in Lissabon…diese Stadt am Fluss, die mein Herz in die Hände klatschen lässt vor Freude.
Dort habe ich mit meiner Winterjacke geschwitzt. Ich habe da täglich etwa fünf Pasteis de Nata gegessen. Fünf! Ich die nicht gerne Süsses habe. Aber dort gehört es halt dazu, wie die freundlichen Leute dazu gehören, dieser Portwein, den sie an allen Ecken für einen Euro ausschenken und der noch mehr warm gibt. Oder die Kacheln, die vielen Kacheln an den Häusern.

Hier friere ich. Über Nacht fiel endlich Schnee, wenn schon frieren, dann weiss ich wenigstens den Grund dafür.

Mein Leben läuft, ich mag es so. Es ist ein gutes, buntes Leben. Die Möbel meines Lebens habe ich so hingestellt, dass sie Sinn machen und ich nicht immer über einen Stuhl oder einen Teppich stolpere. Mein Leben hat ein grosses Fenster, das auf einen alten Baum hinaus geht, auf die Endstation des Zuges, der kleine Bahnhof, bei dem alle Leute aussteigen müssen.
(Manchmal bleibt jemand sitzen, verschläft die Station und fährt dann einfach wieder zurück. Bumm. Noch eine Runde auf dem Karussell. Oder: Zurück auf Anfang, je nach dem.
Ich arbeite viel, das ist okay so, dafür reise ich auch wieder viel. Der Ausgleich stimmt, finde ich. (Und ja. Ich mache mir Gedanken über Schadstoffemissionen und die globale Erwärmung, wer schon nicht? )

Und ich schreibe viel.
Durch die Veröffentlichung  *Die Tote von Saint Loup* habe ich damals viel gelernt. Jede Menge über die stundenlange Arbeit der Korrektur, das Gestalten des Covers, die Herausgabe, die Vermarktung. (Bei letzterem habe ich geschlampt, zugegeben. Ich habe nämlich nichts gemacht, ausser die Buchstabenkugel auf das Spielfeld gesetzt und ins Rollen gebracht. Mehr nicht. Der Schwung war bald weg und ich längst woanders.
Ich  verkaufe mich nicht gerne, weder auf Instagram, noch auf Twitter oder Lovelybooks oder sonstwo. Ich schreibe lieber und gönne den Fame den anderen.
Dieses Mal gehe ich geplanter vor, strukturierter. Ich kenne meine Fehler: An der Begeisterung liegt es nicht, die ist weiterhin voll da.
Schreiben ist ein Handwerk, das gepflegt werden will.
Das schleift man manchmal lange an einem Satz, wie an einem Möbelstück. Schleift und schleift über die Fläche. Am Ende hat man dem Stück Holz den Zauber genommen und löscht den ganzen Text.
Oder man arbeitet, schält eine Orange und Bämmm!, da ist der komplette Satz im Kopf. Das fehlende Stück, auf das man gewartet hat. (Blöderweise schäle ich die Orange für einen Patienten, wenn mit die Muse derart küsst, der seinerseits kaum Verständnis zeigen würde, wenn ich sage: Sorry. Ich muss heim. Ich lasse sie da, machen sie alleine Weiter. Ich habe da diese Idee im Kopf. Die muss ich unbedingt aufschreiben!)
Zum Glück gibt es Bleistifte und Hefte. Ja, Bleistifte. Ich liebe Bleistifte.

Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Tragt euch Sorge und habt es gut.

Lila

 

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